Abitur nach 13 Jahren: Erste Bonner Schule richtet sich auf G9 ein

Abitur nach 13 Jahren : Erste Bonner Schule richtet sich auf G9 ein

Ab 2019 wird das Abitur nach 13 Jahren wieder zum Regelfall in NRW. In Bonn gibt es eine Schule, die bereits umgestellt hat.

Wer seit dem späten Montagnachmittag die Internetseite des Sankt-Adelheid-Gymnasiums im Bonner Stadtteil Pützchen aufgerufen hat, der hat auf den ersten Blick einen gelben Button gesehen, auf dem in grüner Schrift steht: „Wieder G9“. Quasi symbolisch gibt sich das Erzbischöfliche Mädchengymnasium damit grünes Licht für die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums und damit des Abiturs nach 13 Jahren.

Kurz wird erklärt, dass das G9 nach Informationen des NRW-Schulministeriums ab dem Schuljahr 2019/2020 als Regelfall eingeführt werde und bereits die Schüler erfasse, die 2018 in das fünfte Schuljahr eingeschult würden. „Das Sankt-Adelheid-Gymnasium wird sich diesem neuen Weg zu G9 anschließen!“, heißt es in dem Text.

Er habe es „als meine Pflicht empfunden, das den Eltern mitzuteilen“, sagte Schulleiter Egbert Bachner unserer Zeitung – auch wenn die Landesregierung die Frage der künftigen Ausgestaltung des G9 noch nicht beantwortet habe und andere Schulen deshalb vorsichtiger seien. Mit seiner Information habe er den Eltern die Sorge nehmen wollen, dass ihre Kinder noch das G8 machen müssten, wenn sie im nächsten Sommer in die fünfte Klasse kämen.

Andere Gymnasien geben keinen Hinweis

Die Bonner Schule dürfte damit eine der wenigen sein, die schon jetzt den Eltern der angehenden Gymnasiasten mitteilen, in welche Richtung es geht. Beim Blick auf die Internetseiten zahlreicher anderer Gymnasien im südlichen Rheinland finden sich keine Hinweis darauf, wie in diesen Schulen künftig verfahren wird. Dabei stehen auch dort in den nächsten Wochen Tage der offenen Tür und Informationsveranstaltungen an.

Zum Stand der Dinge bei der Umgestaltung von G8 auf G9: Nach Aussage von Daniel Kölle, Sprecher des NRW-Schulministeriums, soll eine Neuregelung bis Sommer 2018 beschlossen und im Schulgesetz verankert werden. Bis dahin soll zum Beispiel geklärt werden, wann künftig die zweite Fremdsprache einsetzt, die derzeit ab Klasse sechs unterrichtet wird.

Klar seien schon jetzt die „Leitplanken“, die Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) gesetzt habe: Also, dass Schulen durchaus beim G8 bleiben könnten, wenn Eltern, Schüler und Lehrer das wollten. Wenn Schulen aber wieder zurückgehen wollten, würden sowohl die Fünftklässler des nächsten Schuljahrs als auch die des übernächsten von G9 profitieren. „Die Fünfer des Schuljahrs 2018/19 beginnen als G8 und werden ein Jahr später zu G9“, sagte Kölle unserer Zeitung. Das sei in der Orientierungsstufe kein Problem und zu verantworten.

Jetzige Regelung umstritten

Umstritten ist hingegen, ob die Kinder, die schon heute in den G8-Gymnasien in den Klassen fünf und sechs sind, ohne eine Klasse zu wiederholen das Gymnasium in neun Jahren absolvieren können. „Die Lehrpläne sind alle auf G8 abgestellt. Wir halten es für nicht sinnvoll, in den Klassen sieben und acht von G8 auf G9 umzustellen“, sagte Ministeriumssprecher Kölle. Das habe Ressortchefin Gebauer bei einem Treffen in der vorigen Woche auch den Vertretern der Elterninitiativen mitgeteilt, die sich seit Jahren für die Umstellung auf G9 einsetzen. Verärgert und enttäuscht über diese Aussage ist Marcus Hohenstein, Sprecher der Initiative „G9-jetzt“.

Denn gerade Armin Laschet habe doch davon gesprochen, dass auch die heutigen Klassen fünf und sechs in den Genuss von G9 kommen könnten, sagte Hohenstein unserer Zeitung. In der Tat hatte der damals noch designierte Ministerpräsident in einem am 22. Juni veröffentlichten Interview des „Kölner Stadt-Anzeigers“ erklärt: „Der neue Schulminister wird sicherlich fachlich prüfen, ob und wie es Lösungen für Kinder geben kann, die jetzt schon in der vierten oder fünften Klasse sind. Das werden wir fachlich bewerten.“ Laschet hatte aber auch hinzugefügt: „Wenn man zu einer flexibleren Lösung kommt, darf das nicht zu Chaos führen.“

Ob Laschet bei dem Nachsatz das Beispiel Niedersachsen im Kopf hatte? Dort sei die Umstellung auch höherer Jahrgänge nicht gelungen, sagte Ministeriumssprecher Kölle. Hohenstein wiederum ist da anderer Meinung: Aus seinen Gesprächen mit Schulleitern in Braunschweig, Osnabrück, Leer und Hannover wisse er, dass die Umstellung relativ unproblematisch erfolgt sei und auch die Eltern zufrieden seien.

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