Kommentar zum Elektro-Tretroller: Einfach mal fahren

Kommentar zum Elektro-Tretroller : Einfach mal fahren

Der Elektro-Tretroller könnte in eine Lücke im Straßenverkehr stoßen, vor allem in Stoßzeiten. Es sollten jetzt nicht gleich wieder tausend Bedenken angemeldet werden. Wichtig ist, erst einmal loszulegen, in diesem Fall zu fahren.

Im dichten Stadtverkehr zu den Stoßzeiten ist dieses Bild der Normalfall: eine Person pro Auto, so weit man gucken kann. Für viele Städter – Pendler sind in dieser Diskussion erst einmal außen vor – ist es bequemer, mit dem PKW zur Arbeitsstelle zu fahren als von zu Hause zu Fuß zu Bus oder Bahn zu gehen, dann von der Zielhaltestelle zum Büro zu laufen und abends das Ganze retour.

Den gesamten Weg mit dem Rad zu fahren, ist oft zu weit und dessen Mitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln mangels Platz zu stressig und durch den Aufpreis auf die Fahrkarte auf Dauer auch nicht billig. In diese Lücke könnte der Elektro-Tretroller stoßen. Zur Straßenbahn rollen, einklappen, wieder aussteigen und aufklappen, zum Büro rollen, fertig. Ein Versuch ist es jedenfalls wert.

Es sollten jetzt nicht gleich wieder tausend Bedenken angemeldet werden. Ja, man kann auch mit einem E-Roller stürzen und sich verletzten, und natürlich, auch dieses neue Gefährt birgt problematische Rohstoffe wie Lithium und Aluminium. Und richtig, es werden dann viele solcher Roller das Stadtbild prägen, wie bereits die Leihräder. So ist das Leben. Und das ist besser, als keine neue Idee zu haben. Und man stelle es sich nur einmal vor, vielleicht macht dem ein oder anderen der kleine Flitzer sogar Spaß.

Wichtig ist, erst einmal loszulegen, in diesem Fall zu fahren. Es wäre schön, wenn jetzt keine Wissenschaft daraus gemacht werden würde, wie man einen E-Tretroller zu bedienen und sich im Straßenverkehr zu verhalten hat. Denn das ist ganz leicht. Anleitung lesen, zur Sicherheit einen Helm aufsetzen und ansonsten gilt wie überall: an die Verkehrsregeln halten und sich anständig benehmen, vor allem keine Fußgänger umfahren. Im Bestfall könnten Städte und Gemeinden die Radwege verbreitern und die Hersteller sollten an einer umweltfreundlichen Produktion und langer Haltbarkeit arbeiten.

Vor etlichen Jahren hatten diese kleinen Roller ganz ohne Elektroantrieb Hochkonjunktur – und verschwanden bald wieder von der Bildfläche. Wer weiß, wie der E-Roller angenommen wird. Seine Grenzen sind klar: Für Pendler aus ländlichen Gebieten ohne nahen Bahnanschluss ist er keine Alternative und für strömenden Regen oder Schnee und Glatteis ist er auch in der Stadt nicht geeignet. Das heißt, die Entlastung des Autoverkehrs – vielmehr der Umwelt – dürfte insgesamt bescheiden ausfallen. Und doch ist jedes Auto, das nicht morgens und abends von einem einzigen Menschen hin und her bewegt werden muss, ein Gewinn für die Luft und die Ruhe und den Platz in der Stadt.

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