Kommentar zur Führungskrise in der SPD: Ein paar Ansätze

Kommentar zur Führungskrise in der SPD : Ein paar Ansätze

Die SPD will sich Zeit nehmen, um die große Führungskrise zu lösen. Das ist gut so, findet GA-Chefredakteur Helge Matthiesen. Die Perspektiven für die SPD sieht er jedoch kurz- und mittelfristig düster.

Es gibt auch noch gute Nachrichten von der SPD. Die Partei will sich ein wenig Zeit nehmen, um die große Führungskrise zu lösen. Das ist gut so, denn schnelle Lösungen wird es nicht geben. Auch der Vorschlag einer Doppelspitze geht in die richtige Richtung. Nahles und alle ihre Vorgänger seit Gerhard Schröder lebten damit, die immer tieferen Zerklüftungen in der Partei allein überbrücken zu müssen. Inzwischen sind die Gräben zwischen den Flügeln so unüberbrückbar, dass ein Mensch mit dieser Aufgabe komplett überfordert wäre.

Ob es wirklich hilft, die Vorsitzenden per Urwahl wählen zu lassen, wie Außenminister Heiko Maas es fordert? Er verspricht sich davon Rückhalt in der ganzen Partei. Die Erfahrung lehrt leider etwas anderes. Nahles holte sich das Votum der Basis für die Neuauflage der Groko. Die war aber für das unterlegene Parteiestablishment vom linken Flügel nicht akzeptabel. Die verlorene Europawahl legt diese Bruchlinie sofort wieder frei – einer der Gründe für Nahles' Scheitern.

Das allergrößte Problem ist jedoch der Mangel an geeigneten und erfolgversprechenden Bewerbern. Die SPD sucht jemanden, der sie aus der Groko führt, ihr programmatische Perspektiven bietet, die Flügel und Gruppen eint und dazu noch Wahlen gewinnt. Selbst in den guten Zeiten gab es in der SPD nur selten Politiker, die dieses Profil erfüllten. Derzeit ist niemand erkennbar, der dem auch nur nahe kommt. Die Perspektiven für die Partei bleiben daher kurz- und mittelfristig düster.

Vielleicht sollte sie eher kleine Brötchen backen und sich Führungspersonal suchen, das die guten Ansätze von Andrea Nahles weiterverfolgt und innerparteilich Frieden herstellt. Das ist Herausforderung genug.