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Andrea Nahles warnt: Die Kandidatendebatte gewinnt an Fahrt

Andrea Nahles warnt : Die Kandidatendebatte gewinnt an Fahrt

Die SPD will verhindern, dass die Auseinandersetzung um die Kanzlerkandidatur zu früh beginnt. Die SPD hat die Erfahrung vor ziemlich genau 25 Jahren gemacht: Für die Bundestagswahlen 1987 war Johannes Rau von den SPD-Gremien als Kanzlerkandidat nominiert worden. Und zwar am 15. September 1985. Also eineinhalb Jahre vor der Bundestagswahl im Januar 1987.

Die Partei war sich sicher, einen charismatischen Kandidaten ("Versöhnen statt spalten") gefunden zu haben, der den öffentlichen Druck aushält. Nichts davon wurde wahr: In den 16 Monaten zwischen Nominierung und Wahltag wurde der SPD-Kandidat demontiert: Und dies innerparteilich wie innenpolitisch. Politik-Strategen überschütteten die SPD-Verantwortlichen mit Hohn und Spott.

Diese Erfahrung hat sich in die Köpfe jüngerer Politik-Generationen eingebrannt. Drei oder vier Monate Kandidaturphase reichen völlig aus, so die Experten. Problematisch wird es, wenn der innerparteiliche, aber auch der mediale Druck auf ein Vorziehen der Kandidatenbenennung so stark steigt, dass man den Entscheidungsträgern Mutlosigkeit vorhält.

In dieser Phase wähnen sich die Sozialdemokraten jetzt. Der Appell, Geschlossenheit zu wahren, den die Generalsekretärin Andrea Nahles am Montag versuchte, unter die Leute zu bringen, wird wenig Erfolg beschieden sein. Nahles sprach von einer "Nabelschau" der Partei, die nur Kanzlerin Angela Merkel und den Unionsparteien nützen werde.

Am vergangenen Wochenende wurde durch diverse Interviews der innerparteiliche Vor-Wahlkampf eröffnet. Wichtige und weniger wichtige Abgeordnete meldeten sich zu Wort: Sie favorisieren fast durch die Bank Peer Steinbrück. So sprach sich der Chef der baden-württembergischen SPD, Nils Schmid, für Steinbrück aus. Ins gleiche Horn stieß der schleswig-holsteinische Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels, der in der Bundestagsfraktion kein Leichtgewicht ist. Seine Begründung für Steinbrück: "Wir brauchen einen Kandidaten, der eine echte Alternative zu Merkel darstellt - und von den Wählern auch so gesehen wird."

Schmid hatte gesagt, dass es neben dem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel und dem Fraktionschef Frank Walter Steinmeier mit Steinbrück einen hoch angesehenen und in der Bevölkerung sehr beliebten Politiker gebe. In der SPD-Parteizentrale und in der Fraktion nennt man die Äußerungen von Torsten Albig, frisch gebackener Ministerpräsident in Kiel, "nicht hilfreich", so der Finanzexperte der Bundestagsfraktion, Joachim Poß.

Der langjährige Sprecher des Bundesfinanzministers Steinbrück riet diesem dringend von einer Kandidatur ab: "Tu Dir das nicht an!" Der 65-jährige Steinbrück gilt als Querdenker, der seine äußerst starke Formulierungskraft aber nicht immer im Griff hat. "Er muss wissen, dass er der Kanzlerkandidat der gesamten Partei ist." Bisher rührt sich keine Stimme für den Parteivorsitzenden Gabriel als Merkel-Herausforderer.

Auch der "Seeheimer Kreis" schwieg und wies darauf hin, dass die Zeit für personeller Festlegungen noch nicht gekommen sei. Der 52-jährige Parteichef tut alles, um durch Interviews und TV-Terminen die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Dabei hat er einen emotionalen Vorteil: Er ist junger Vater einer Tochter namens Marie. Fotografen durften aufnehmen, wie der Vater das Kind versorgt. Seine dreimonatige Vaterpause kann und will er nicht wahrnehmen. Ironisch merkte er an, dass er jetzt den ihn zustimmenden Jahresurlaub 2012 nehme.

Gabriel wolle den Prozess der Kadidatenfindung weiter steuern, heißt es. Wenigstens ist eine Option überflüssig geworden: Der Vernehmen nach wird nicht mehr an eine innerparteiliche Urwahl des Kanzlerkandidaten gedacht. Dieses Verfahren wäre mit einem wochenlangen internen Wahlkampf verbunden. Nur wenn es bei drei Kandidaten bliebe, könnte eine Basis-Befragung realistisch werden, weil es dann stets zwei Verlierer geben müsste. Aber damit rechnet kaum jemand.