Kommentar zur Impfpflicht: Zu viele Eltern sind beratungsresistent

Kommentar zur Impfpflicht : Zu viele Eltern sind beratungsresistent

Die Bundesregierung diskutiert eine Impfpflicht für Masern. Das ist eine gute Idee, denn: Wer seine Kinder nicht impft, handelt fahrlässig – ihnen gegenüber, aber auch gegenüber anderen, kommentiert GA-Redakteurin Sylvia Binner.

Denguefieber und Aids zählen unstrittig zu den Gesundheitsgefährdern der heutigen Zeit. Dennoch rangieren sie auf der WHO-Liste der zehn größten Bedrohungen für die Gesundheit der Weltbevölkerung hinter den Impfverweigerern. Und nicht nur für die Weltgesundheitsorganisation steht fest: Impfen ist einer der günstigsten Wege, Krankheiten zu vermeiden.

Der Umkehrschluss: Wer seine Kinder nicht impft, handelt fahrlässig – ihnen gegenüber, aber auch gegenüber anderen. Die Masern, eine hoch ansteckende Krankheit, die zu Lungen- oder Gehirnentzündung und sogar zum Tod führen kann, haben auch wegen der Impfgegner weltweit um zuletzt 30 Prozent zugenommen. In Deutschland gab es 2017 rund 1000 Masernfälle. In den vergangenen zehn Jahren sind in Deutschland fast jedes Jahr ein bis zwei Menschen an Masern gestorben. Dabei sollte die Viruserkrankung hierzulande eigentlich bis 2020 ausgerottet werden. Stattdessen sind Fälle dokumentiert, in denen Deutsche die Masern im Ausland verbreiteten.

Wenn es um die Vermeidung von Epidemien geht, muss das von den Impfgegnern reklamierte Recht auf persönliche Freiheit hintanstehen, denn es geht um Solidarität. Je mehr Menschen geimpft sind, desto größer ist der Schutz für die Bevölkerung, gerade auch für diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können.

Die Bundesregierung hat lange genug auf die Vernunft der Eltern gesetzt, Informationsgespräche vor der Kita-Anmeldung sogar zur Pflicht erhoben. Doch zu viele Erziehungsberechtigte zeigen sich beratungsresistent. In Italien, Frankreich und zahlreichen weiteren Ländern gibt es eine Impfpflicht. Wieso nicht auch bei uns?

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