Kommentar zum transatlantischen Verhältnis: Zerstörte Allianz

Kommentar zum transatlantischen Verhältnis : Zerstörte Allianz

Es steht wirklich schlecht um das deutsch-amerikanische Verhältnis. Dabei wäre Merkels Rede in München, emotional wie selten, ein wunderbarer Wegweiser für den gemeinsamen Marsch der USA und Europas in eine bessere Zeit gewesen, kommentiert Holger Möhle.

Ob es Hybris, Überheblichkeit, Ignoranz, Desinteresse oder einfach von jedem etwas ist? Fest steht: US-Vizepräsident Mike Pence hat die ausgestreckte Hand, die ihm Bundeskanzlerin Angela Merkel bei dieser 55. Münchner Sicherheitskonferenz gereicht hat, nicht ergriffen. Das transatlantische Verhältnis ist auf den Hund gekommen. Die US-Regierung von Präsident Donald Trump hat kein Interesse an Europa, kein Interesse an der Nato. Er hält die Europäer für zögerliche und wenig mutige Partner, die auf Kosten der USA von der Nato profitieren und die sich als Zeichen ihrer Undankbarkeit, siehe Deutschland, auch noch mit dem Gegner Russland in Fragen der Energiesicherheit verbünden. Eine No-go-Area aus US-Sicht.

Diese Sicherheitskonferenz hat wie nie zuvor die tiefen Differenzen zwischen Deutschland und den USA nochmals an das Licht der Öffentlichkeit gebracht. Die Allianz der Multilateralisten, für die Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem wirklich eindrucksvollen Auftritt in München geworben hat, ist für die US-Regierung nicht erstrebenswert, sondern schlicht falsch. Sollen die Europäer doch ihre Bündnisse schmieden, sollen sie den Freihandel hochleben lassen, sollen sie doch am Atomvertrag mit Iran festhalten und weiter bei den Verteidigungsausgaben ungeniert das Zwei-Prozent-Ziel der Nato verfehlen. Egal, die USA des Donald Trump gehen ihren Weg. Sie verstehen jene Kooperation nicht, mit der Merkel versucht, die komplizierte Welt wieder etwas näher zusammenzubringen. Sie wollen ihn nicht verstehen, weil Trump, Pence und Co. glauben, ihre wirtschaftliche Stärke und ihre militärischen Fähigkeiten stellten die USA außerhalb dieser Weltgemeinschaft. Sie kommen daher, als seien sie politisch Außerirdische. America first? Merkel hält dagegen: Weltgemeinschaft zuerst.

Der Affront zwischen den transatlantischen Partnern könnte kaum größer sein. US-Vize Pence dankte auf offener Bühne allen Bündnispartnern, die sich gegen die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 positionieren. Und dann drohen die USA nicht minder offen mit Strafzöllen für Autos aus Europa, angeblich ein Risiko für die nationale Sicherheit der USA. Es ist ein Stück aus dem Tollhaus. Das Autoland Deutschland kann sich derart abstruse Argumente nebst Sanktionen nicht bieten lassen. Auch hier sprach Merkel Klartext und sucht hoffentlich, wenn die USA mit ihrem Auto-Affentheater ernst machen, den Schulterschluss aller Europäer.

Es steht wirklich schlecht um das deutsch-amerikanische Verhältnis. Dabei wäre Merkels Rede in München, emotional wie selten, ein wunderbarer Wegweiser für den gemeinsamen Marsch der USA und Europas in eine bessere Zeit gewesen. Doch Pence hat im Namen seines Herrn, des Präsidenten der Vereinigten Staaten, das Angebot ausgeschlagen. Das transatlantische Verhältnis ist aktuell ziemlich kaputt.

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