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Luftbrücke nach Hause: Wie Zehntausende Deutsche nach Hause geholt werden

Luftbrücke nach Hause : Wie Zehntausende Deutsche nach Hause geholt werden

Die Bundesregierung holt Zehntausende im Ausland gestrandete Urlauber zurück. Allein in Ägypten befinden sich derzeit noch 30.000 Deutsche. Und tatsächlich spricht der deutsche Außenminister in so einer Situation von einer „Luftbrücke“ - auch im Jahr 2020.

Diese Luftbrücke ist Chefsache. Heiko Maas war mit Carsten Spohr in Kontakt. Der Bundesaußenminister hat in dieser dringenden Angelegenheit den Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa eingeschaltet. Es geht um Zehntausende deutsche Urlauber, die aktuell im Ausland festsitzen, ja, die regelrecht „gestrandet“ seien, wie Maas formuliert. Und tatsächlich spricht der deutsche Außenminister von einer „Luftbrücke“ – anno 2020. Alle müssten in dieser Corona-Krise „zusammenstehen und füreinander einstehen, und das jetzt“, appelliert der SPD-Politiker an die Solidarität im Lande. „Ich bin der Lufthansa und Herrn Spohr außerordentlich dankbar, dass das sehr schnell im Moment organisiert werden kann.“

Sehr schnell bedeutet: In den nächsten Tagen werden kommerzielle Fluggesellschaften wie die Lufthansa und zur Gruppe gehörende Airlines (Austrian Airlines, Brussels Airlines, Eurowings, Edelweiss) in einer von der Bundesregierung „konzertierten Rückholaktion“ Bundesbürger zunächst aus Urlauber-Hotspots zurückholen. Die Fluggesellschaften, deren Geschäft wegen Corona massiv eingebrochen ist und die deshalb viele Maschinen am Boden haben, schicken ihre Flieger nach Marokko, Ägypten (aktuell etwa 30.000 deutsche Urlauber), auf die Malediven, auf die Philippinen und in die Dominikanische Republik (aktuell etwa 10.000 deutsche Urlauber).

Nicht in jedem Fall werde es bei den staatlich organisierten Heimflügen „eine 24-Stunden-Lösung“ geben. Teilweise sind die Flughäfen für anfliegende Maschinen aus Deutschland schon gesperrt. Hier versucht die Bundesregierung für die Rückholaktion, Lande- und Überflugrechte etwa für den Flughafen in Marrakesch/Marokko zu erhalten. Urlauber, die jetzt zurückgeholt werden, müssen sich auf eine Eigenbeteiligung in der Höhe eines einfachen Economy-Tickets einstellen, wie es hieß.

Der Bund hat ein „einmaliges Programm“ gestartet

Man werde jedenfalls alles tun, diesen Bundesbürgern „in den nächsten Tagen eine Rückkehr nach Deutschland zu ermöglichen“, versichert der Außenminister. Dazu werde der Bund ein „einmaliges Programm“ auflegen. Mit bis zu 50 Millionen Euro will das Auswärtige Amt Tausende Deutsche aus ihren Urlaubsgebieten wieder einfliegen lassen. Im Falle von Marokko hat die Bundesregierung teilweise bereits mit der Rückführung begonnen. Die marokkanischen Behörden hatten am Wochenende ohne größere Ankündigung Fähr- und Flugverbindungen nach Europa untersagt. In dem nordafrikanischen Königreich sitzen nach den Worten von Maas 4000 bis 6000 deutsche Urlauber fest.

Die Lufthansa teilte am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass sie bisher bereits mit 25 Lang- und Kurzstreckenflügen Tausende deutsche Urlauber zurück nach Deutschland gebracht habe. Neben den Sonderflügen im Auftrag des Auswärtigen Amtes erhalte die Airline aktuell „weiterhin zahlreiche Anfragen von Reiseveranstaltern und Kreuzfahrtreedereien für Rückflüge hauptsächlich aus der Karibik, von den Kanaren, den Balearen und aus Nordafrika, so eine Lufthansa-Sprecherin.

Zugleich macht Maas deutlich, dass wegen der pandemischen Verbreitung des Coronavirus es gerade nicht die Zeit für Urlaubsreisen sei. Maas: „Wir müssen verhindern, dass weitere deutsche Reisende im Ausland stranden.“ Deswegen richtet der Außenminister einen eindringlichen Appell an das gesamte Land. Maas spricht eine formelle weltweite Reisewarnung für alle touristischen Reisen ins Ausland aus. Auch dies ein bislang einmaliger Appell in Zeiten von Corona. Üblicherweise gibt das AA Reisewarnungen – eine Stufe über dem Reisehinweis – für Länder wie Afghanistan, Syrien oder Jemen heraus, in denen ein Bürgerkrieg tobt oder Unruhen ausgebrochen sind. Maas eindringlich: „Bleiben Sie Zuhause, das hilft ihnen und anderen.“