NRW-Wahl : Wahlen nach Zahlen

Von 1 bis 134 Milliarden. Ein Nummernspiel um die nordrhein-westfälische Landtagswahl.

1 Wer wird für die nächsten fünf Jahre die Nummer eins in Nordrhein-Westfalen? Der CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen will Amtsinhaberin Hannelore Kraft (SPD) in der Staatskanzlei ablösen. Doch an diesem Sonntag geht es nur um die Zusammensetzung des Landtags. Aus den Reihen der Abgeordneten wird dann in einigen Wochen der Regierungschef gewählt.

2 Nicht nur eine, sondern zwei Stimmen können die Bürger abgeben. Mit der Erststimme - links auf dem Wahlzettel - werden die im Wahlkreis aufgestellten Direktkandidaten gewählt. Wer die meisten Stimmen erhält (einfache Mehrheit), zieht ins Parlament ein. Entscheidend ist die Stimme rechts: Sie wird für eine Partei abgegeben und entscheidet über die prozentuale Zusammensetzung des Landtages.

3 Ein Drei-Parteien-Parlament war lange die Regel in Nordrhein-Westfalen. In 32 der 66 Jahre Landesgeschichte bestand der Landtag aus drei Fraktionen - zumeist waren dies CDU, SPD und FDP. So viele wie in den vergangenen beiden Jahren, also fünf, gab es lediglich zwischen 1947 und 1954. Damals hatten neben den drei Genannten das Zentrum und die KPD Mandate im Landtag.

5 Um zu vermeiden, dass viele kleine Parteien ins Parlament kommen und damit eine Regierungsbildung schwierig wird, gibt es bei Bundes- und Landtagswahlen eine Fünf-Prozent-Hürde. Nach den jüngsten Umfragen sieht es so aus, als würde die Linke nach ihren 5,6 Prozent vor zwei Jahren an dieser Hürde scheitern.

10 Regiert worden ist Nordrhein-Westfalen bisher von zehn Ministerpräsidenten. Rudolf Amelunxen war der erste. Der Zentrumspolitiker und letzte Oberpräsident der Provinz Westfalen wurde 1946 von den Briten in sein Amt eingesetzt. Alle weiteren wurden aus den Reihen des Landtags gewählt: Karl Arnold (CDU), Fritz Steinhoff (SPD), Franz Meyers (CDU), Heinz Kühn, Johannes Rau, Wolfgang Clement, Peer Steinbrück (alle SPD), Jürgen Rüttgers (CDU) und seit 2010 die SPD-Politikerin Hannelore Kraft.

11 Nach ihrer Wahl zur Ministerpräsidentin am 14. Juli 2010 hat Hannelore Kraft elf Minister in ihr Kabinett berufen. Da es bisher keinen Wechsel gab, sind noch alle im Amt. Ihr Herausforderer Norbert Röttgen ist mit einer gleich starken Mannschaft ins Rennen um die Staatskanzlei gegangen. Weil er seine Elf in Häppchen vorstellte, war ihm das mediale Interesse gewiss.

17 Der Landeswahlausschuss hat 17 Parteien zur Wahl zugelassen. Damit treten acht weniger als vor zwei Jahren an. Das hat vor allem damit zu tun, dass die kleinen Parteien nach der Auflösung des Landtags sehr viel weniger Zeit hatten, um die erforderlichen Unterschriften beizubringen als sonst. Insgesamt 1 000 Signaturen mussten jene Parteien bei der Landeswahlleiterin einreichen, die bisher nicht im Parlament vertreten waren. Die Parteien mit Sitz und Stimme im Landtag mussten dies nicht.

37 Nordrhein-Westfalen - ein Land von Welt. Von den 100 größten deutschen Unternehmen haben 37 ihren Sitz an Rhein und Ruhr. Von diesen gehören nach einer Liste des amerikanischen Magazins "Fortune" vier zu den 100 umsatzstärksten der Welt. Die beiden Düsseldorfer Konzerne Eon und Metro stehen auf den Plätzen 29 und 65. Nicht weit davon entfernt rangieren die Bonner Unternehmen Deutsche Telekom und Deutsche Post auf 75 und 93.

59,3 Seit der ersten Landtagswahl 1947 war der Anteil der Menschen, die an einer NRW-Landtagswahl teilgenommen haben, nur einmal geringer als vor zwei Jahren. Die Wahlbeteiligung von 59,3 Prozent wurde im negativen Sinne nur getoppt durch die 56,7 Prozent bei der Wahl 2000. Die CDU hatte damals die Spendenaffäre zu verkraften, die NRW-SPD wirkte seinerzeit reichlich ausgelaugt.

128 Nordrhein-Westfalen ist an diesem Sonntag in 128 Wahlkreise aufgeteilt. Bei der Landtagswahl 2010 gewannen die CDU-Bewerber 67 dieser Bezirke, die SPD-Kandidaten waren in 61 Kreisen erfolgreich. Insgesamt gibt es 834 Direktkandidaten im Land, 251 stehen nur auf den Landeslisten ihrer Parteien.

181 Das Düsseldorfer Parlament hat derzeit 181 Sitze. Zu den 128, die über die Direktmandate vergeben werden, kommen mindestens 53, die über die Landeslisten der Parteien besetzt werden. Hat eine Partei mehr Direktmandate als ihr im Verhältnis zu den anderen Parteien nach dem Wahlergebnis zustehen (Überhangmandate), werden den anderen Parteien weitere Sitze von den Landeslisten zugeteilt. Das sind die sogenannten Ausgleichsmandate.

528 Nordrhein-Westfalen ist das am dichtesten besiedelte Bundesland - mit 528 Einwohnern pro Quadratkilometer. Insgesamt wohnen rund 18 Millionen Bürger an Rhein und Ruhr.

1100 Die NRW-Landtagswahl trifft auf ein hohes Medieninteresse. Rund 1.100 Vertreter von Presse, Funk, Fernsehen und Internet haben sich laut Landtagsverwaltung für den Wahltag akkreditiert. Dort, wo die Fraktionen von CDU und SPD sonst tagen, bauen Print- und Fotojournalisten ihre Laptops auf.

15500 Insgesamt 15.500 Wahllokale sind an diesem Sonntag in der Zeit von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Wer Briefwahl beantragt und seinen Stimmzettel noch zu Hause liegen hat, kann diesen am Sonntag noch bis spätestens 18 Uhr im Wahlbüro seiner Kommune abgeben.

144000 Die Diskussion um Kita-Plätze war eines der wichtigsten Themen im Wahlkampf. Denn ab Sommer 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf die Betreuung ihres unter drei Jahre alten Kindes. Das bedeutet aber nicht, dass für jedes Kind ein Betreuungsplatz bereit steht. Familienministerin Ute Schäfer will bis dahin 44.000 neue Plätze einrichten. Mit den dann bereit stehenden 144.000 Plätzen wären 32 Prozent der U-3- Kinder versorgt. Die CDU glaubt nicht, dass das zu schaffen ist.

346000 Unter den 13,2 Millionen Wahlberechtigten - so vielen, wie in keinem anderen Bundesland bei Landtagswahlen - sind 346.000 junge Menschen im Alter von 18 und 19 Jahren. Sie dürfen zum ersten Mal einen Landtag mitwählen.

744000 Die Bundesagentur für Arbeit hat im April 744.000 Arbeitslose in Nordrhein-Westfalen registriert. Menschen, von denen sicher viele Hoffnungen in die neue Landesregierung setzen, demnächst wieder in Beschäftigung zu kommen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 8,3 Prozent, in ganz Deutschland bei sieben.

1,5Mio Das Thema Sicherheit ist in diesem Landtagswahlkampf nur am Rande eines gewesen. Und das, obwohl die Anzahl der Straftaten im vergangenen Jahr auf über 1,5 Millionen stieg. Im Vergleich zu 2010 war das ein Zuwachs der Kriminalitätsrate um 4,8 Prozent. Die Städte Köln und Düsseldorf belegen laut der Polizeilichen Kriminalstatistik von 2010 die Plätze vier und fünf der Kommunen mit den meisten Delikten.

134Mrd Ein Schuldenberg von 134 Milliarden Euro lastet auf Nordrhein-Westfalen. Diese immense Landesverschuldung war daher eines der hochrangigsten Themen im Wahlkampf. Eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Landesregierung wird sein, zunächst den Anstieg der Schulden soweit zurückzuführen, dass spätestens 2020 ein ausgeglichener Haushalt ohne neue Kredite aufgestellt werden kann. An die Rückzahlung des Schuldenbergs ist aber derzeit nicht zu denken.

Mehr von GA BONN