Interview mit JU-Vorsitzendem: Tilman Kuban: „SPD muss Neuwahl eher fürchten“

Interview mit JU-Vorsitzendem : Tilman Kuban: „SPD muss Neuwahl eher fürchten“

Der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, spricht im Interview über mögliche Kanzlerkandidaten und die große Koalition. Zur Kritik von Friedrich Merz von Friedrich Merz geht er überraschend auf Distanz.

Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union hatten sich deren Vorsitzender Tilman Kuban und Friedrich Merz auf der Bühne mit Bier zugeprostet. Zu dessen harter Kritik an der Bundesregierung geht Kuban in unserem Interview allerdings überraschend auf Distanz. Mit dem wortgewaltigen Niedersachsen sprach Kristina Dunz.

 Herr Kuban, die Junge Union beantragt beim Parteitag der Christdemokraten in Leipzig, dass CDU und CSU die nächste Kanzlerkandidatur per Urwahl bestimmen. Warum wollen Sie der Parteichefin das Zugriffsrecht nehmen?

 Tilman Kuban: Annegret Kramp-Karrenbauer hat gesagt, dass sie keinen innerparteilichen demokratischen Wettbewerb scheut. Das hat sie im letzten Jahr im Ringen um den Parteivorsitz auch gezeigt und deswegen muss sie den Wettbewerb auch bei einer Urwahl zur Kanzlerkandidatur nicht scheuen. Wir wollen ein Verfahren festlegen für den Fall, dass es in der Union mehrere Kandidaten geben sollte. Wir leben nicht mehr im Jahr 2005, als Angela Merkel das erste Mal Kanzlerkandidatin wurde. Heute wollen die Mitglieder viel mehr mitbestimmen. Auch die Parteispitze sollte begreifen, dass moderne Parteiarbeit mehr Mitmachen bedeutet. Das ist sicherlich nicht immer einfach, aber notwendig, wenn wir Volkspartei bleiben wollen.

Im oberschwäbischen Bald Waldsee haben bei einer JU-Veranstaltung am Samstag viele Delegierte bei einer Rede von Friedrich Merz „Kanzler, Kanzler“ gerufen. Ist das so, die JU will Friedrich Merz als Kanzler?

Kuban: Innerhalb der JU gibt es den Wunsch, dass wir Leute an der Parteispitze haben, die für klare Positionen stehen. Wir sind in den vergangenen Jahren zu oft hinterhergelaufen. Friedrich Merz bedient viele Sehnsüchte. Aber es gibt in der JU auch viele Leute, die andere Persönlichkeiten an der Parteispitze gut finden.

 Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert ein Ende der Debatte um die Kanzlerkandidatur. Werden Sie den JU-Antrag zum Parteitag zurückziehen?

Kuban: Nein. Ich werde mit den JU-Delegierten auf dem Parteitag für die Urwahl kämpfen. Das erwarten meine Mitglieder von mir.

Der CSU-Chef bezeichnet die harte Kritik von Herrn Merz an der Bundesregierung – „grottenschlecht“ – als Fehler. Wie sehen Sie das?

Kuban: Es gibt Minister, die eine sehr gute Performance haben, wie Gesundheitsminister Jens Spahn zum Beispiel. Deswegen teile ich die Kritik von Friedrich Merz in dieser Schärfe und Gänze nicht.

Ist die Koalition nach dem Kompromiss bei der Grundrente gesichert?

Kuban: Da muss man den Parteitag der SPD abwarten. Die Junge Union will – im Gegensatz zu den Jusos – regieren. An uns scheitert die Koalition nicht, wenn wir auf der Grundlage des Koalitionsvertrags arbeiten. Ich bin aber nicht gewillt, ständig darüber hinauszugehen, nur weil die SPD ihren Parteitag retten will. Wir werden uns nicht erpressen lassen. Die SPD muss eine Neuwahl eher fürchten als wir.

Die JU bringt in Leipzig einen Antrag ein, dass die Einkommensgrenze für geringfügige Beschäftigung von 450 Euro auf 550 Euro pro Monat erhöht werden soll. Was leitet Sie?

Kuban: In Deutschland gehen 7,5 Millionen Menschen einer geringfügigen Beschäftigung nach. Studenten, Schüler, Rentner können ihre Einkommenssituation dadurch verbessern. Zwei Drittel der Studenten haben einen Nebenjob. Wir wollen, dass sie mehr hinzuverdienen können, weil auch die Preise in den letzten Jahren gestiegen sind.