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Klimafreundlichkeit: So schmutzig sind die Dienstwagen deutscher Politiker

Klimafreundlichkeit : So schmutzig sind die Dienstwagen deutscher Politiker

Zum zwölften Mal hat die Deutsche Umwelthilfe die Dienstwagen von Politikern auf Klimafreundlichkeit getestet. Keiner der Wagen hält den CO2-EU-Grenzwert ein. Das Schlusslicht im Ländervergleich ist die nordrhein-westfälische Landesregierung.

Die Regierungspolitiker von Bund und Ländern fahren der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zufolge weiterhin zu schmutzige Dienstautos. Unter Berücksichtigung der realen Verbrauchswerte halte kein einziger Dienstwagen der 236 Befragten den Kohlendioxid-Grenzwert der EU von 130 Gramm CO2 pro Kilometer ein, kritisierte die stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz bei der Vorstellung des zwölften Dienstwagenchecks des Umweltverbandes am Dienstag in Berlin.

Im Bundeskabinett sei Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) mit 193 Gramm CO2 mit den wenigsten Emissionen unterwegs, sagte Metz. Schlusslichter seien Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) mit einem realen CO2-Ausstoß von 229 Gramm und Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) mit 235 Gramm. Über die Fahrzeuge der Bundeskanzlerin, der Verteidigungsministerin, des Finanz-, Innen- und Außenministers sowie des Bundespräsidenten liegen aus Sicherheitsgründen keine Angaben vor.

Bei den Regierungschefs der Länder schneidet laut Metz der Bremer Regierungschef Carsten Sieling (SPD) mit einem Plug-In-Hybrid mit einem realen CO2-Ausstoß von 171 Gramm noch am besten ab. Der Hesse Volker Bouffier und Armin Laschet aus Nordrhein-Westfalen (beide CDU) teilen sich mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) die letzten drei Plätze mit 376 und 408 Gramm CO2-Ausstoß.

Mit durchschnittlich 197 Gramm CO2-Ausstoß seien selbst die Dienstwagen der Umweltminister von Bund und Ländern weit vom EU-Grenzwert entfernt, sagte die DUH-Expertin. Die Schlusslichter bildeten die Fahrzeuge der Umweltminister aus Hessen (218 Gramm), Baden-Württemberg (225 Gramm) und Nordrhein-Westfalen (235 Gramm). Von der künftigen EU-Vorgabe von 95 Gramm CO2 ab 2020 seien alle der untersuchten Modelle noch weit entfernt, sagte Barbara Metz.

Laschet und Reul auf dem letzten Platz

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens kam in dem Report auf den letzten Platz. Die mit Acht-Zylinder-Motoren betriebenen Dienstwagen von NRW-Ministerpräsident Laschet und Innenminister Herber Reul (beide CDU) sind sowohl beim CO2-Normausstoß von 254 Gramm je Kilometer als auch beim realen Ausstoß von 376 Gramm CO2 besonders belastend. Vergleichsweise emissionsarm sind den Daten zufolge Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) und Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) unterwegs. Ihre mit Diesel angetriebenen BMW-740-Modelle würden laut Hersteller 142 Gramm und tatsächlich 207 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen.

Bei ihren Bewertungen stützte sich die Deutsche Umwelthilfe nach eigener Aussage nicht auf die offiziellen CO2-Angaben der Hersteller, die unter Laborbedingungen gemessen wurden, sondern auf Berechnungen des unabhängigen Forschungsinstituts International Council on Clean Transportation (ICCT) im Straßenbetrieb. Demnach beträgt die Diskrepanz zwischen den offiziellen CO2-Angaben und dem tatsächlichen CO2-Ausstoß auf der Straße mittlerweile durchschnittlich 42 Prozent.

Auch Dienstwagen mit sogenannte Plug-In-Hybridantrieben, die einen Elektro- und einen Verbrennungsmotor enthalten, fielen bei dem Dienstwagencheck durch. Anstatt diese Technologie zur Minimierung des Spritverbrauchs auszulegen und möglichst lange rein elektrisch gefahrene Strecken zu ermöglichen, nutzten die Hersteller in Oberklasselimousinen die Plug-In-Hybrid-Technik, um Schwächen des Verbrennungsmotors bei der Beschleunigung zu kompensieren, kritisierte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Unterm Strich verbrauchten die Fahrzeuge deshalb mehr als normale Verbrenner.