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Regionale Stimmen: So reagieren Marx und Woelki auf das Schreiben von Papst Franziskus

Regionale Stimmen : So reagieren Marx und Woelki auf das Schreiben von Papst Franziskus

Die Reaktionen auf das Schreiben von Papst Franziskus fallen unterschiedlich aus: Kardinal Marx zeigt Verständnis für Papst Franziskus. Essens Bischof Overbeck bedauert Festhalten am Pflichtzölibat und Kölns Oberhirte Woelki schweigt.

Volles Haus an der Bonner Kaiserstraße. Dutzende Journalisten und zahlreiche Kamerateams drängen sich an diesem Mittwochmittag in dem engen Konferenzraum im Erdgeschoss des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz. Sie wollen erfahren und natürlich auch weiterverbreiten, wie der ranghöchste Katholik im Land die Botschaften des Papstes zu Zölibat und Frauendiakonat verstanden hat und dann auch bewertet.

Die zentralen Aussagen von Reinhard Kardinal Marx: Franziskus mache „die Tür nicht zu“, was die Weihe der Frauen angeht und beende auch nicht die Diskussion um die Aufhebung des Pflichtzölibats. „Ich habe nicht den Eindruck, dass der Papst das Thema vom Tisch nimmt.“ Der Bischof von München und Freising nennt es eine „Ermutigung“, dass der Papst in dem Schreiben an die Kirche in Amazonien keine endgültigen Entscheidungen getroffen habe.

Zudem äußert Marx viel Verständnis für Franziskus. Der Papst und auch er selbst hätten sich „sehr darüber geärgert“, dass in Bezug auf die Amazonas-Synode in Deutschland und in anderen Ländern Westeuropas fast ausschließlich über die Zölibatsfrage und das Frauendiakonat gesprochen und geschrieben worden sei. „Unsere theologischen Debatten können nicht in Amazonien gelöst werden“, so Marx. Er sieht den Tenor des Schreibens darin, dass „ein Prozess in Gang gesetzt wird und beide Diskussionen weitergehen“.

Den vor wenigen Tagen in Frankfurt gestarteten Reformprozess der deutschen katholischen Kirche, den Synodalen Weg, sieht Marx demzufolge auch nicht gefährdet. Im Gegenteil: Das Papst-Schreiben könne auch als Impuls für die Ortskirchen gewertet werden. „Sie können sich überlegen, welches Gesicht sie haben wollen.“

Nicht alle haben so viel Verständnis wie Marx

So verständnisvoll wie Marx sehen das nicht alle Bischöfe. Der Essener Oberhirte Franz-Josef Overbeck zum Beispiel bedauert das Festhalten des Papstes am Pflichtzölibat für katholische Priester. Im Kölner Stadt-Anzeiger wird er mit der Aussage zitiert: „Ich wäre froh gewesen, wenn angesichts des unvergleichlich großen Priestermangels im Amazonasraum verheirateten Männern der Zugang zum Priesteramt auf dem Dispens-Weg (also dem Weg über eine Ausnahmegenehmigung) ermöglicht worden wäre.“

Interessant wäre natürlich auch, was der Kölner Erzbischof zum Schreiben des Papstes sagt. Schließlich hat er in jüngster Zeit stets gewarnt vor der Aufweichung traditioneller katholischer Positionen. Doch Rainer Maria Woelki will sich am Mittwoch noch nicht äußern, wie ein Sprecher des Erzbistums auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt.

Am Rande des Pressegesprächs weist Marx Spekulationen zurück, er ziehe sich vom Vorsitz der Bischofskonferenz zurück, weil er Karriere in Rom machen werde. Das sei „völlig aus der Luft gegriffen“, sagt er. Seit einigen Jahren schon berät Marx als Mitglied des Kardinalsrates und als Vorsitzender des Wirtschaftsrates im Vatikan den Papst. „Ich bleibe in München und Freising und engagiere mich weiter auf dem Synodalen Weg, wenn es gewünscht wird“, so Marx. Die Entscheidung, bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe Anfang März in Mainz nicht wieder zu kandidieren, habe er schon vor Weihnachten gefasst. Ihn habe niemand gedrängt.