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Markus Söder und Ludwig Hartmann: So lief das TV-Duell vor der Wahl in Bayern

Markus Söder und Ludwig Hartmann : So lief das TV-Duell vor der Wahl in Bayern

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stellte sich im TV-Duell dem aussichtsreichsten Herausforderer. Und das ist keiner von der SPD, das ist ein angriffslustiger Grüner: Spitzenkandidat Ludwig Hartmann.

Die Dynamik in den Stunden vor dem 70-Minuten-Schlagabtausch erhöhte die Spannung: Die neueste Umfrage bescherte der CSU immer noch nicht die sehnsüchtig erwartete Trendwende, sondern sah sie weiter absacken: auf desaströse 34 Prozent in der Sonntagsfrage. Dagegen stabilisierten die Grünen ihren phänomenalen Vorsprung vor dem Verfolgerfeld: sie kommen nun auf 17 Prozent. Damit lösen sie die SPD in Bayern eindeutig in der Position des Zweitplatzierten ab: Für sie wollen sich derzeit nur noch elf Prozent der bayerischen Wähler entscheiden. Es wirkte beinahe bemitleidenswert, wie die von diesem Duell ausgeschlossenen Sozialdemokraten in der parallel laufenden Debatten in den sozialen Netzwerken versuchten abseits der Sendung mit eigenen Themen auf sich aufmerksam zu machen.

Die Kontrahenten kamen vorbereitet. Der traditionelle Grünen-Fresser Söder hatte von seiner Frau eingebläut bekommen, bloß höflich zu bleiben und Hartmann ruhig zuzuhören. Es gelang ihm im Verlauf der Sendung immer schwerer. Und Hartmann war nur am Anfang bemüht, seine Neigung zurückzuhalten, wie ein Wasserfall zu sprechen. Beide hatten füreinander mit Themen und Thesen genügend rote Tücher dabei, dass ihr Temperament immer wieder mit ihnen durchging.

Eines der wichtigsten Probleme diente dem ersten verbalen Abtasten: der bezahlbare Wohnraum. „Krachend versagt“ sagt der Grüne über den Schwarzen, „Typische Verbotskultur“ der Schwarze über den Grünen. Dann die jüngste Entwicklung in der Bundespolitik. „Das Chaos hat einen Namen: Horst Seehofer“, stellt Hartmann genüsslich fest. Söder weicht aus und klagt darüber, dass die FDP sich Jamaika nicht zugetraut habe und man deshalb im Bund in diese Koalition gezwungen worden sei.

Söder: "So machen wir das in Bayern."

Dann Migration. Hier weicht Hartmann der Frage aus, ob er auch konsequent abschieben will. Er legt sich nur fest, dass straffällig gewordene Ausländer in deutsche Gefängnisse gehörten. Klare Konfrontation zu Söders Erlass, mit dem er Kreuze in die Amtsstuben brachte. Das will er so lassen und behauptet, dafür Rückhalt der Kirchen bekommen zu haben. Das haben viele Zuschauer vermutlich anders im Gedächtnis. Hier macht Hartmann klare Ansagen: Der Erlass kommt weg, wenn die Grünen mitregieren. Söder spottet: „Ich hoffe, Sie wollen nicht auch noch die Gipfelkreuze abnehmen.“

Chefredakteur Christian Nitsche fragt Hartmann, ob er bei Übernahme eines Regierungsamtes den Eid mit oder ohne Gottesbezug leisten werde. „Ohne“ ist die Antwort, denn er sei „nicht in der Kirche“. In einer späteren Runde konfrontiert der Moderator den Grünen mit der Frage, ob er denn entsprechend den politischen Forderungen der eigenen Partei auch fair gehandelte Kleidung trage. Nein, sagt dieser. Er trägt es zumindest mit Fassung, dass Söder weniger persönlich-kritische Fragen gestellt bekommt.

Es folgt die Phase, in der Söder mehrfach in den Topf mit der grünen Farbe packt, sich stark macht für mehr öffentlichen Personennahverkehr, bei dem er sich selbst das Ziel setzt, dass jeder Bayer für einen Euro am Tag das ganze Jahr mobil sein kann. Hier wirkt Hartmann zwischenzeitlich in der Defensive und wird allgemein: „Wir wollen, dass Mobilitätspolitik vom Menschen ausgeht.“ Einwurf Söder: „So machen wir das in Bayern.“

Vorsichtig bei Frage nach Koalitionsoptionen

Kommen sich da zwei Koalitionäre der Zukunft nahe? Doch da ist noch das Thema Polizeiaufgabengesetz, gegen das die Grünen klagen und sich im Schulterschluss mit Zehntausenden protestierender Bürger sehen. Söder lobt es als vorbildlich, Hartmann als Ausweis für einen überbordenden Überwachungsstaat. Da liegen Welten zwischen Schwarzen und Grünen. Und doch bleiben beide bei der Frage nach Koalitionsoptionen auffällig vorsichtig. „Gesprächsbereit“ will Hartmann sein, wenn es darum gehe, ein besseres, ein ökologischeres Bayern zu gestalten. Söder wirft noch seine Enttäuschung über ein „spießiges“ Grünen-Wahlprogramm in den Ring, um dann zu schließen mit der Feststellung, dass die Wähler das letztlich zu entscheiden hätten.

Und das bedeutet, dass bei den aktuellen Umfragezahlen ein einziger kleiner Koalitionspartner wie die Freien Wähler oder die FDP der CSU nicht reichen könnte, um regieren zu können, dass tatsächlich auch eine große Koalition aus CSU und Grünen in den Blick gerät. Auf die Frage, was Hartmann Söder immer schon mal fragen wollte, kommt die Einladung des Grünen zur gemeinsamen Alpenwanderung. Söder wittert den Hintergedanken und sagt zu: „Ich wandere mit ihnen, aber einen dritten Nationalpark gibt es nicht!“ Und außerdem verlangt er von Hartmann, dass sie dann auch mal durch seine Heimat Franken zusammen wandern. Zumindest diese gemeinsame Verabredung steht am Ende des Duells gut zwei Wochen vor den Wahlen.