Erste Reihe zögert noch: Sankt Augustiner kandidiert für SPD-Parteivorsitz

Erste Reihe zögert noch : Sankt Augustiner kandidiert für SPD-Parteivorsitz

Drei Teams und zwei Einzelbewerber haben bisher ihre Bewerbung um die Nahles-Nachfolge angemeldet. Auch der Berliner Start-Up-Unternehmer Robert Maier, der aus Sankt Augustin stammt, kandidiert für den Parteivorsitz.

Noch 26 Tage bis zum Bewerbungsschluss. Und acht Kandidatinnen und Kandidaten – davon drei Teams als potenzielle Doppelspitze – sind schon aus der Deckung gekommen. Die geschundene SPD, die in Umfragen mit zuletzt bundesweit noch 11,5 Prozent Zustimmung immer tiefer in den Keller rauscht, sucht die (Er-)Lösung. Eine Vorsitzende oder einen Vorsitzenden oder eine weiblich-männliche Doppelspitze, die es endlich schafft, der Partei wieder eine Richtung zu geben, hinter der sich möglichst viele der insgesamt immer noch 426.000 Mitglieder versammeln können.

Wer noch alles seine Bewerbung anmelden wird? SPD-Vize Ralf Stegner sucht dem Vernehmen nach noch eine Frau – für eine Doppelspitzenkandidatur. Generalsekretär Lars Klingbeil weiß noch nicht, ob er sich trauen soll – oder besser nicht. Interessant: Aus der allerersten Garde reißt sich bislang niemand um den oder die Posten. Die drei kommissarischen Vorsitzenden Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel haben sehr früh signalisiert, dass sie nur Parteichefs des Übergangs seien. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hält sich noch eine Hintertür offen: „Ich gehe davon aus, dass ich nicht kandidieren werde.“ Er könnte genauso gut auch sagen: „Ich gehe davon aus, dass es der SPD bald wieder besser geht.“

Im Oktober werden die Mitglieder der Partei befragt

Saarlands SPD-Chefin Anke Rehlinger erwartet weitere Bewerbungen. So hat Familienministerin Franziska Giffey noch nicht aufgezeigt. Sie hat eine Plagiatsprüfung ihrer Doktorarbeit am Bein, die ihre Kandidatur empfindlich stören könnte, je nachdem, wann die Freie Universität Berlin das Ergebnis der Prüfung bekannt gibt.

Bislang haben als Teams der Staatsminister im Außenamt, Michael Roth, und die ehemalige NRW-Familienministerin Christina Kampmann ihre Bewerbung angemeldet, ebenso SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und Umweltpolitikerin Nina Scheer, beide Vertreter der Parlamentarischen Linken in der SPD-Bundestagsfraktion. Auch die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange, im vergangenen Jahr beim Bundesparteitag gegen Nahles unterlegen, will es noch einmal wissen – in einer Doppelspitze mit dem OB von Bautzen, Alexander Ahrens.

Als Einzelbewerber haben sich der 79 Jahre alte Politrentner Hans Wallow aus Bonn und der Vize des SPD-Wirtschaftsrates, der Berliner Start-Up-Unternehmer Robert Maier, gemeldet. Maier stammt aus Sankt Augustin und aus einer „sehr politischen Familie“, wie er selbst sagt. Er ist Sohn der langjährigen Bundestagsabgeordneten Ingrid Matthäus-Maier.

Alle Kandidaten brauchen die Unterstützung von mindestens fünf SPD-Unterbezirksverbänden, einem Bezirksverband oder einem Landesverband – sonst bleiben sie Kandidaten der Ankündigung. Wer immer es in den Kandidaten-Rang schafft, hat viel Arbeit vor sich. Am 4. September beginnt mit dem Auftakt in Saarbrücken eine Reihe von insgesamt 23 Regionalkonferenzen, in denen sich die Teams und Einzelbewerber der Partei vorstellen können, ehe nach einer Mitgliederbefragung im Oktober ein Bundesparteitag im Dezember endgültig über den neuen SPD-Vorsitz entscheidet. Dabei rumort es unverändert in der Partei, in der Ex-Vorsitzender Sigmar Gabriel mit Kritik am Kurs der SPD in schöner Regelmäßigkeit für Unruhe sorgt.

Mit ihren Vorsitzenden ist die SPD noch nie besonders pfleglich umgegangen. Zuletzt bekam dies Andrea Nahles zu spüren, die im April vorigen Jahres als erste Frau in der mehr als 150-jährigen Parteigeschichte an die SPD-Spitze gewählt worden war. Anfang Juni räumte Nahles nach gerademal 14 Monaten im Amt den Vorsitz, weil ihr – auch nach eigenen Fehlern – schließlich die Gefolgschaft fehlte.

Am Montag kommender Woche will Nahles erstmals seit ihrem Rückzug vom höchsten Parteiamt wieder öffentlich auftreten. Als Teilnehmerin einer Veranstaltungsreihe in der Benediktinerabtei Maria Laach. Eine Abtei passt zur Lage der eigenen Partei. Tage der Einkehr wären jetzt gut.

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