Islamisten in NRW: Salafisten werben um Flüchtlinge

Islamisten in NRW : Salafisten werben um Flüchtlinge

Radikale Islamisten haben in Nordrhein-Westfalen 110 Anwerbeversuche bei Migranten gestartet. Das gab Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Donnerstag auf CDU-Anfrage bekannt.

„Nach außen wird durch salafistische Aktivisten in der Regel der Eindruck der friedlichen humanitären Hilfe vermittelt, während tatsächlich durch fundamentalistische und extremistische Salafisten Personalpotenzial für die eigenen Zwecke angeworben wird“, erklärte das Ministerium. Extremisten hätten versucht, durch das Verteilen von Geschenken vor Flüchtlingsheimen Interessenten für islamistisch beeinflusste Moscheegemeinden zu gewinnen. Auch das Verteilen des Korans in arabischer Sprache werde gezielt zur Kontaktaufnahme genutzt.

„An Erstaufnahmeeinrichtungen, Flughäfen, Bahnhöfen und Notunterkünften meldeten sich vermehrt Personen aus dem salafistischen Umfeld freiwillig, um als Dolmetscher zu fungieren“, so das Ministerium. Insgesamt soll die Zahl der Anwerbeversuche in NRW jedoch stark rückläufig sein. Allein 100 der insgesamt 110 Anwerbeversuche sollen bereits bis Ende des Jahres 2015 stattgefunden haben. CDU-Innenexperte Gregor Golland bezweifelte die Darstellung der Landesregierung. „Ob die These richtig ist, dass die Anzahl der Versuche rückläufig ist, muss hinterfragt werden.

Die Bundesregierung geht vom Gegenteil aus“, erklärte Golland. „Perspektivisch ist von einer Zunahme dieser Aktivitäten auszugehen“, hatte das Bundesinnenministerium erklärt. Seit Oktober 2015 seien bundesweit mehr als 340 Fälle bekannt geworden, in denen Salafisten versucht hätten, Kontakt zu Flüchtlingen aufzunehmen.

Das NRW-Innenministerium räumte ein, dass es eine weitaus höhere Dunkelziffer geben könne. Da sich Flüchtlinge frei bewegen können, sei nicht jede Kontaktaufnahme zum salafistischen Spektrum wahrnehmbar. Man sei aber in NRW besonders bemüht, das Umfeld von potenziell für den Extremismus ansprechbaren Asylbewerbern zu sensibilisieren.

Am Dienstag hatte die Polizei in einer Kölner Notunterkunft einen 16-jährigen Syrer festgenommen, der nach ersten Erkenntnissen in engem Internet-Kontakt zur Terrorgruppe Islamischen Staat gestanden und einen Sprengstoffanschlag geplant haben soll.

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