Kommentar zur Lage der SPD: Nur Mut

Kommentar zur Lage der SPD : Nur Mut

Die SPD bleibt auch weiterhin im Umfragetief - doch es könnte noch schlimmer kommen, so unser Autor Holger Möhle.

Tief, tiefer, SPD? Der Umfragekurve zeigt weiter nach unten. Andrea Nahles hat den Negativtrend ihrer Partei nicht drehen können, seit die frühere Bundesarbeitsministerin vor 100 Tagen beim Bundesparteitag in Wiesbaden als erste Frau den SPD-Vorsitz übernommen hat. Vor allem: Die 155 Jahre alte Partei muss sich mit dem Gedanken anfreunden, dass der Absturz auf bislang historisch tiefe 20,5 Prozent bei der Bundestagswahl vor bald einem Jahr noch nicht der Tiefpunkt ist. Es kann noch schlimmer kommen.

Nach jüngsten Umfragen dümpelt die SPD im Bund bei 18 Prozent. Der Volkspartei SPD läuft das Volk davon, jedenfalls fühlen sich immer weniger Menschen in Deutschland von der SPD angezogen. In vielen europäischen Ländern erlebt die Sozialdemokratie einen beispiellosen Niedergang. Der Absturz hat auch deswegen dramatische Züge, weil zugleich nationalistisch-autoritäre Bewegungen Zulauf bekommen.

Dabei hatten sowohl Sigmar Gabriel 2013 wie auch vier Jahre später Martin Schulz Koalitionsverträge mit klarer sozialdemokratischer Handschrift ausgehandelt. Mindestlohn, Rente mit 63 für langjährig Versicherte, Mietpreisbremse und jetzt das Megathema Europa – die Wähler haben die SPD dafür nicht belohnt. Im Gegenteil. Jetzt soll Nahles das Ruder herumreißen – irgendwie. Dabei genießt die ehemalige Generalsekretärin in ihrer Partei kein übergroßes Vertrauen, wie ihr Wahlergebnis von gut 66 Prozent belegt hat.

Es braucht mehr Herz, mehr Mut, weniger Apparatschik. Nahles muss ihrer Partei vor allem eines zurückgeben: den Glauben an sich selbst.

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