Vorschlag von CDU und FDP: NRW will Stadtbüchereien Sonntagsöffnung erlauben

Vorschlag von CDU und FDP : NRW will Stadtbüchereien Sonntagsöffnung erlauben

NRW will städtischen Bibliotheken künftig erlauben, auch sonntags zu öffnen. Während Köln und Düsseldorf die neue Chance nutzen wollen, reagieren andere Städte - darunter Bonn - eher zurückhaltend.

Deutschland am Sonntag: Viele Fußballstadien sind voll, niemand protestiert. Immer mehr Stadtteile haben verkaufsoffene Geschäfte, die Konsumenten füllen ihre Einkaufstüten. Museen und Theater sind geöffnet. Doch ein Buch dürfen Familien aus einer städtischen Bibliothek nicht ausleihen, ebenso ist der Besuch des Lesesaals verboten. Sonntagsruhe.

Mit diesem Anachronismus will die NRW-Landesregierung brechen. Am Donnerstag soll der Landtag ein Gesetz diskutieren, das die Öffnung von öffentlichen Bibliotheken an Sonntagen erlaubt. CDU und FDP haben das Regelwerk vorgeschlagen. Damit ist die Mehrheit sicher. Vorrangig werden die vielen hundert städtischen Bibliotheken profitieren. „Keine Stadt muss die Bibliothek am Sonntag öffnen“, sagt Lorenz Deutsch, kulturpolitischer Sprecher der FDP im Landtag, „aber wir wollen neue Freiheiten.“ Er ergänzt: „Die Bürger sollen ihre Bibliotheken flexibler nutzen können, auch weil diese als Ort der Kultur und Kommunikation wichtiger werden.“

Bundesweites Vorbild ist Mönchengladbach

Er betont wie in der Gesetzesbegründung den Aspekt der Kommunikation und der Bildung. Denn 2014 war in Hessen die Sonntagsöffnung der Bibliotheken vom Bundesverwaltungsgericht verboten worden. Dort ging es scheinbar nur um die Buch-Ausleihe. Das war zu profan, um Sonntagsarbeit zu rechtfertigen.

Bundesweites Vorbild ist die Mönchengladbacher Stadtteilbibliothek Rheydt, die seit 2011 auch an Sonntagnachmittagen die Pforten öffnet. Dies wurde mit einem Trick gelöst: Weil reguläre Mitarbeiter an das Arbeitsverbot am Sonntag gebunden sind, garantieren Beschäftigte eines externen Dienstleisters die Sicherheit. Rund 250 Gäste schauen regelmäßig sonntags rein. Laut einer Untersuchung der Fachhochschule Köln kommen Jugendliche bis 20 Jahren sowie Berufstätige besonders häufig, und obwohl 80 Prozent der Besucher ein Buch oder ein anderes Medium mitnehmen, sieht die Hälfte die Bibliothek zudem als Ort des Gesprächs. „Unser Haus ist ein Haus des Austauschs und der Bildung“, sagt Brigitte Behrendt, Leiterin der Stadtbibliothek.

Zurückhaltung in Bonn

Wegen des neuen Gesetzes ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass sofort alle städtischen Bibliotheken von NRW am letzten Tag der Woche geöffnet sein werden. So kündigt die Gewerkschaft Verdi auf Anfrage an, sie würde Sonntagsarbeit für die Bibliothekare aus Prinzip ablehnen. „Bücher können unter der Woche ausgeliehen und am Sonntag gelesen werden“, heißt es. Angesichts dieser Kritik ist es kein Wunder, dass die Städte Aachen, Bonn, Duisburg, Krefeld, Leverkusen und Ratingen erklären, derzeit gebe es keine Pläne für eine Öffnung der Medienhäuser am Sonntag. Allerdings wird teilweise darauf hingewiesen, dass man am Samstag einige Stunden geöffnet habe.

Thomas Geisel, Oberbürgermeister von Düsseldorf, hat bereits davon gesprochen, er wolle die Zentralbibliothek nach ihrem Umzug 2021 gerne zur „24-Stunden-Bücherei“ machen. Dann würden nachts nur Sicherheitsleute da sein, das Fachpersonal tagsüber. Zur Sonntagsöffnung sagt er: „Wir investieren bereits soviel Geld in die neue Bibliothek, dass sie auch gut genutzt werden sollte. Wir sollten sie also auch dann zugänglich machen, wenn Menschen wirklich Zeit haben und gerne kommen.“

"Ein interessantes Projekt"

Ähnlich sieht dies Hannelore Vogt, Direktorin der Stadtbibliothek Köln: „Die Sonntagsöffnung ist ein interessantes Projekt, wir werden das voraussichtlich ausprobieren.“ Allerdings müsse man prüfen, wie man entsprechende Ressourcen bereitstellen kann und mit dem Personalrat reden. Vogt glaubt nicht, dass sie viel Personal für eine zeitweise Sonntagsöffnung braucht. „Die Außenstelle in Köln-Kalk öffnen wir für angemeldete Nutzer bereits jeden Montag als Open-Library, also ohne Personal. Und da kommen dann 600 Leute vorbei. Außerdem können wir am Sonntag mit Partnern Veranstaltungen organisieren.“

Xanten plant eine stundenweise Sonntagsöffnung. Im Gegenzug soll dann an einem anderen Tag die Öffnungszeit reduziert werden. Auf den Sonntag setzt auch Moers, braucht dafür aber nicht das neue Gesetz. „Wir planen die Hauptstelle ohne Mitarbeiter sonntags zu öffnen“, erklärt ein Sprecher der Stadt. Einlass hätten aber nur registrierte Nutzer.

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