Interview mit Michael Mronz: NRW bietet ein einmaliges Potenzial für Olympischen Spiele 2032

Interview mit Michael Mronz : NRW bietet ein einmaliges Potenzial für Olympischen Spiele 2032

Mit der Olympia-Idee Rhein Ruhr Olympic City 2032 könnte Nordrhein-Westfalen zum Ort werden, wo neue Ideen aufgegriffen und zukunftsweisende Innovationen gestartet werden, glaubt Michael Mronz. Mit dem Sport- und Eventmanager sprach Helge Matthiesen.

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Herr Mronz, wo werden die Olympischen Spiele 2032 eröffnet: in Köln oder in Düsseldorf?

Michael Mronz: In jedem Fall an Rhein und Ruhr. Vielleicht in Dortmund?

Weil sich die beiden Städte wieder nicht einigen können?

Mronz: Das größte Stadion Deutschlands steht in Dortmund, und so gesehen wäre es sachlogisch, dass die Auftakt- und Abschlussfeier in Dortmund stattfände.

Im Moment bekommen es die Kommunen und ihre Verbände noch nicht einmal hin, einen einheitlichen Nahverkehrstarif zu organisieren. Mit Olympia rufen Sie eine ganz andere Größenordnung auf. Trauen Sie der Region das zu?

Mronz: Mit der gemeinsamen Olympia-Idee Rhein Ruhr City in aktuell 14 Kommunen ist es gelungen, einen Konsens zu schaffen und ein Wir-Gefühl untereinander zu erzeugen. Beim Mobilitätskongress Metropolitan Cities in Aachen wurde mit den Kommunen angedacht, dass wir mit Unterstützung der RWTH Aachen ein Leitbild für ein Konzept erstellen, das aufzeigt, wie die Mobilität der Zukunft aussehen kann. Es geht doch um viel mehr als nur die Spiele. Wir müssen uns in Deutschland mit essentiellen Zukunftsfragen beschäftigen. Deutschland hat eine Menge Nachholbedarf.

Woran denken Sie dabei?

Mronz: Ein Beispiel aus den USA. Dort gibt es ein Unternehmen, das E-Scooter-Lösungen für die letzte Meile zwischen Zug und Ziel anbietet. Das Unternehmen ist mit zwei Milliarden Dollar bewertet. Wir in Deutschland haben dafür noch gar keine Gesetzeslage. Wir müssen rasch erkennen, welche Themen zukunftsweisend sind und wo wir schneller werden müssen. Die Region ist wirtschaftlich unglaublich stark: Zehn der 30 Dax-Unternehmen, 14 der 50 MDAX-Unternehmen, über 400 000 Mittelständler und 500 000 Studenten. Ein weltweit einmaliges Potenzial! Nordrhein-Westfalen könnte der Ort werden, wo neue Ideen aufgegriffen und zukunftsweisende Innovationen gestartet werden.

Und Olympia könnte dafür ein Katalysator werden?

Mronz: Ich glaube, es bedarf eines übergeordneten Vehikels, hinter dem sich alle versammeln, ohne Proporzdenken. Olympische und Paralympische Spiele könnten eine solche Gelegenheit sein, ohne dass im großen Stil in die Sportstätten-Infrastruktur investiert werden muss. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will mit ihrer ‚Agenda‘ 2020 Olympia kostengünstiger, nachhaltiger und machbarer gestalten. Es soll mehr Rücksicht auf die Möglichkeiten der jeweiligen Region genommen werden. Wenn wir sehen, dass 80 bis 90 Prozent der nötigen Sportstätten in unserem Konzept bereits vorhanden sind, dann sind wir ökonomisch und ökologisch schon heute in der Lage, nachhaltige Spiele zu veranstalten. Das für wegweisende Zukunftsthemen zu nutzen, ist die große Chance hinter Rhein Ruhr City 2032.

Gibt es noch Bauten oder Einrichtungen, die fehlen?

Mronz: Drei Dinge müssen noch entstehen: zum einen eine Wildwasserbahn. Zum anderen ein Leichtathletikstadion, denn in NRW gibt es nur große reine Fußballstadien. Das dritte ist das Olympische Dorf als Wohnort für die Athleten.

Gibt es da schon konkrete Überlegungen?

Mronz: Sollte ein Bundesligist überlegen, ein neues Stadion zu bauen, dann kann man heute temporär ein Leichtathletikstadion integrieren. Nach den Spielen wird die Anlage dann zu einem reinen Fußballstadion zurückgebaut. Der FC wäre grundsätzlich offen, über eine solche technische Lösung bei einem Neubau zu sprechen. Kommt ein Neubau nicht infrage, besteht die Idee, ein kleineres kombiniertes Stadion zu bauen, das für die Olympischen und Paralympischen Spiele von 20 000 auf 60 000 Plätze erweitert und anschließend wieder zurückgebaut wird. So war es in London 2012, wo Westham United aber immer noch in dem großen Stadion spielt.

Und das Olympische Dorf?

Mronz: Es muss in der Mitte der Sportstätten liegen, weil von dort aus alle Sportstätten in einem Radius von 50 bis 60 Kilometern erreichbar sein sollen. Außerdem sollte es in einer Region gebaut werden, wo dringender Wohnraumbedarf herrscht. Düsseldorf und Köln kommen daher in Betracht. Dort wäre eine Nachnutzung sehr nachhaltig. Auch hier gilt London als Vorbild. 48 Prozent der Wohnungen im dortigen Olympischen Dorf sind als Sozialwohnungen bezuschusst und vergeben worden, die anderen gehören einem privaten Investor. In unserem Konzept kommt es jetzt darauf an, eine geeignete Fläche zu finden.

Teure neue Hallen oder zusätzliche Schwimmstadien muss es also nicht geben?

Mronz: Richtig. Und alles es ist in einer Kapazität vorhanden, die es so weltweit nicht noch ein zweites Mal gibt. Die Sportarten können sich vor einmaligen Besucherkulissen präsentieren. Ohne dass wir etwas neu bauen, könnte beispielsweise Hockey vor 40 000 Zuschauern stattfinden, Handball oder Basketball vor 50 000 Zuschauern oder Schwimmen vor 40 000 Zuschauern. Das sind gigantische Potenziale. Wir können die Olympischen Spiele so den Menschen zurückgeben und rücken den Sport wieder in den Mittelpunkt.

Verkehrsfragen spielen eine große Rolle. Der Stau ist heute Alltag und neue Bahnen oder Straßen entstehen nur sehr langsam und gegen Widerstand?

Mronz: Jede einzelne Sportstätte hat heute schon ein funktionierendes Verkehrskonzept. So gesehen, brauchen wir vor Ort nichts Neues. Wenn in Bonn Basketball gespielt wird, in Aachen das Reitturnier läuft und in Duisburg das Rudern, dann treffen sich die Zuschauer gar nicht. Wir brauchen das Konzept aber an einer ganz anderen Stelle. Weil die Menschen merken, dass sich die Mobilität durch Vernetzung verändert. Ich nenne ein paar Stichworte: Autonomes Fahren, vernetzte Verkehrsträger oder digitale Verkehrslenkung. Hier gibt es große Veränderungsprozesse. Wir können uns die Mobilität in 14 Jahren doch noch gar nicht vorstellen. 2006 beim Sommermärchen gab es das Smartphone zum Beispiel noch gar nicht. Wenn wir die Zeit jetzt nutzen, dann haben wir in 14 Jahren ein Stück des notwendigen Strukturwandels für Rhein Ruhr und die dort lebenden Menschen erfolgreich umgesetzt.

Glauben Sie, dass die Politik den nötigen langen Atem hat?

Mronz: Es geht am Ende gar nicht um einen so langen Zeitraum. 14 Jahre Vorlauf sind nicht viel. Es ist wichtig, diese Zeit sinnvoll zu nutzen und den Menschen Antworten auf zentrale Zukunftsfragen zu geben: Wie lösen wir die Fragen der Mobilität? Wo entstehen die Arbeitsplätze von Morgen rund um die Digitalisierung? Hier haben wir in der Region Rhein-Ruhr und mit den Olympischen und Paralympischen Spielen eine große Chance. Wir müssen diesen Impuls zum Denken in größeren Zusammenhängen nutzen.

Zuletzt ist Olympia zwei Mal am Widerspruch der Bevölkerung in Hamburg und München gescheitert. Wie wichtig ist eine breite Unterstützung der Menschen an Rhein und Ruhr?

Mronz: Der Dialog ist sehr wichtig, daher auch der frühzeitige Start der bisher rein privatwirtschaftlich finanzierten Initiative. In Hamburg war die Planung nach meiner Einschätzung nicht transparent genug. Die Kosten und die Folgen waren unklar. Wir verfolgen mit der Verwendung der vorhandenen Sportstätten ein diametral anderes Konzept. Zukunftsinvestitionen in die vorhandenen Hallen oder Stadien werden ohnehin von deren Betreibern getätigt, um sie weiter nutzen zu können. Auch ohne Olympia. Das leuchtet schnell ein. Dennoch ist es wichtig, das Gespräch frühzeitig zu eröffnen und den Dialog mit den Menschen in der Region zu führen. Jede sachliche Kritik hilft uns dabei, besser zu werden.

Sie führen im Moment viele Gespräche und kennen die Reaktionen aus der Politik und den Rathäusern. Wird ein Referendum dazu nötig sein?

Mronz: Es benötigt nicht einen automatischen Reflex, dass jede Olympiabewerbung eine Bürgerbeteiligung braucht. Man sollte sie durchführen, wenn die Bürgerinnen und Bürger das wünschen. Dafür gibt es geregelte Verfahren bei uns. So ein Votum ist aber erst sinnvoll, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, wenn aus der Planung eine Bewerbung geworden ist, wenn wir wissen, welche Kosten damit verbunden sind und wie sie sich verteilen. Unser Konzept ähnelt mehr den Plänen der Fußball Welt und -Europameisterschaften mit dezentralen Spielorten. Da hat es an keinem Ort eine Bürgerbeteiligung gegeben, sie war offenbar auch nicht notwendig.

Bis wann müssen Entscheidungen gefallen sein?

Mronz: Das abschließende Bewerbungsverfahren für 2032 steht noch nicht fest. Nach bisherigen Regeln erfolgt 2025 die Vergabe. Ab 2023 liefe der Bewerbungsdialog mit dem IOC. Bis 2020 müsste in Deutschland entschieden worden sein, ob man sich überhaupt bewerben will. Grundsätzlich liegt das hoheitliche Bewerbungsverfahren beim Deutschen Olympischen Sportbund.

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