Kommentar zur Gewaltspirale in Cottbus: Nicht die Mehrheit

Kommentar zur Gewaltspirale in Cottbus : Nicht die Mehrheit

Am Ende waren es eine Handvoll Zuwanderer, die schwere Straftaten begangen haben, und es waren 1500 aus der ganzen Region zusammengekarrte rechte Demonstranten. Die Mehrheit war das nicht, kommentiert Benjamin Lassiwe.

Der Spreewald ist eine der ungewöhnlichsten Urlaubslandschaften in Deutschland. Man kann dort auf verwunschenen Fließen Kahn fahren, ein tropisches Ferienparadies besuchen und die berühmten Gurken essen. Die Menschen dort sind gastfreundlich und offen, genau wie in Cottbus, der vom Kohlebergbau geprägten Stadt im Süden des Unesco-Weltnaturerbes.

Das muss einmal gesagt werden in einer Zeit, in der ganz andere Bilder aus dieser Region an der Tagesordnung sind: Die Überfälle syrischer Flüchtlinge auf Deutsche und eine von 1500 Menschen besuchte, aber von Rechtsextremen veranstaltete Demonstration vermitteln gegenwärtig ein Bild von Cottbus und der Lausitz, das mit der Realität wenig zu tun hat. Denn ja, die Gegend fühlt sich zuweilen etwas abgehängt.

Die Stadt steckt im Strukturwandel, der durch das Auslaufen der Braunkohle bedingt ist. Und die Brandenburger Landespolitik hat massive Fehler gemacht. Und ja, es gibt in der Region schon seit den 1990er Jahren eine starke rechtsradikale Szene, die bislang durch kein politisches Programm und kein zivilgesellschaftliches Engagement zurückgedrängt werden konnte. Und trotzdem ist es fatal, wenn nun wieder die Bilder von gewalttätigen Flüchtlingen und vom „braunen Osten“ alles andere übertünchen.

Denn am Ende waren es eben eine Handvoll Zuwanderer, die schwere Straftaten begangen haben, und es waren 1500 aus der ganzen Region zusammengekarrte rechte Demonstranten. Die Mehrheit war das nicht – weder bei Einheimischen noch bei Flüchtlingen. Und genau der tut man mit solchen Bildern Unrecht.

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