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Kriminalstatistik: Nehmen die Messerattacken in NRW zu?

Kriminalstatistik : Nehmen die Messerattacken in NRW zu?

In NRW scheint bei Auseinandersetzungen immer öfter das Messer gezückt zu werden. Die SPD und die Gewerkschaft der Polizei wollen nun Klarheit und fordern dazu belastbare Zahlen. Nach Auswertung der SPD hat es in den vergangenen Monaten 33 Attacken in Bonn gegeben.

Die SPD-Landtagsfraktion und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordern die Aufnahme von Angriffen mit Stichwaffen in die Kriminalstatistik. In Polizeikreisen und in der Öffentlichkeit herrsche der Eindruck, dass vor allem jugendliche Täter immer öfter das Messer zückten, sagte der innenpolitische Fraktionssprecher Hartmut Ganzke am Donnerstag in Düsseldorf. Bisher würden nur Stichwaffen-Attacken auf Polizisten statistisch erfasst, nicht aber auf andere Personen. Auch bundesweit gebe es keine Statistiken für diesen Bereich.

Die SPD-Fraktion habe in einer eigenen Auswertung von Polizei-Pressemitteilungen für Nordrhein-Westfalen herausgefunden, dass es allein von September 2017 bis Anfang März dieses Jahres 2075 Angriffe in NRW gegeben habe, davon gut 570 mit Stichwaffen. Den Spitzenplatz mit 44 Messerattacken nehme Duisburg ein, gefolgt von Köln (39), Essen (34) und Bonn (33). Laut Ganzke wäre es technisch kein Problem, die Stichwaffen-Angriffe in der Kriminalstatistik gesondert auszuweisen.

Zuletzt war in Bonn Mitte Februar bei einem Messerangriff in der Nähe des Tannenbusch-Centers ein 34-Jähriger schwer verletzt worden. Im Januar war ein 17-Jähriger durch mehrere Messerstiche in der Nähe der Cassius-Bastei verletzt worden. Doch auch wenn diese jüngsten Angriffe anderes vermuten lassen: Die Zahl der Messerangriffe ist in Bonn und dem Umland laut Aussage der Polizei im Jahr 2017 gegenüber dem Jahr davor zurückgegangen.

Angriffe mit Stichwaffen seien "brutal gefährlich" und hätten oft einen tödlichen Ausgang, sagte SPD-Fraktionsvize Thomas Kutschaty. "Man kann sie überall kaufen und fühlt sich vermeintlich sicherer damit."

Wenn es belastbare Zahlen gebe, könne auch bei der Ausbildung junger Polizisten ein Schwerpunkt auf Messer-Angriffe gelegt und die Ausrüstung verbessert werden, sagte Ganzke. Auch müssten Konzepte erarbeitet werden, Messer-Attacken entgegenzuwirken.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach von einer zunehmenden Verbreitung von Messern bei Heranwachsenden. "Die Jugendlichen übersehen dabei, dass sich aus dem Einsatz eines Messers in Sekundenbruchteilen eine lebensgefährliche Situation ergeben kann", sagte der GdP-Landesvorsitzende Arnold Plickert. "Nur wenn wir die Dimension dieses neuen, gefährlichen Trends genau kennen, sind wir in der Lage, wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen."