Kommentar zum Parteitag der NRW-CDU: Momentaufnahme

Kommentar zum Parteitag der NRW-CDU : Momentaufnahme

Armin Laschet und die NRW-CDU. Das passte nicht immer zusammen. Manch bodenständigem Mitglied aus dem ländlichen Westfalen ist der joviale, weltoffene, großstädtisch denkende Vorsitzende leicht suspekt.

Aber am Wochenende hat Laschet die Partei hinter sich versammelt. Mit einem unterhaltsamen und aggressiven Auftritt. Die Landesregierung hat es der Union in den vergangenen Monaten allerdings leicht gemacht, sich wieder zu berappeln. Hannelore Kraft und Innenminister Ralf Jäger mühen sich ein halbes Jahr nach den Silvester-Übergriffen immer noch mit Erklärungen. Mit ihren eidesstattlichen Versicherungen, ins Netz gestellt ohne nähere Erläuterung, haben sie mehr Fragen aufgeworfen als Antworten geliefert. Das "Nullwachstum" ist ein gefundenes Fressen für die Opposition. Ebenso der Vorwurf aus Lehrerverbänden, das Land vernachlässige die Grundschulen und versage bei der Inklusion.

Was heißt das 48 Wochen vor der Landtagswahl in NRW? Dass die CDU derzeit recht gute Karten hat. Aber das ist eine Momentaufnahme. Die Perspektiven ändern sich schnell. Wer denkt heute noch an Laschets "Noten-Affäre" vor einem Jahr? Hannelore Kraft, die schwächelnde Ministerpräsidentin, hat schon zweimal bewiesen, dass sie Wahlkampf kann. Weil laut Umfragen künftig sechs Parteien im NRW-Landtag sitzen könnten, sind Prognosen noch schwieriger. Über eine mögliche große Koalition wird gerade in Düsseldorf viel geredet. Und über "Jamaika", ein Bündnis von CDU, FDP und Grünen. Die große Koalition kann nur dem gefallen, der sie als Regierungschef anführt.