Kommentar zur Debatte um Hilfen für Landwirte: Mit Ruhe

Kommentar zur Debatte um Hilfen für Landwirte : Mit Ruhe

Die Bauern rufen um Hilfe - doch die Regierung hält sich zurück. Aus gutem Grund, sagt Chefredakteur Helge Matthiesen.

Die Not der Landwirte in einigen Regionen ist groß. Es ist daher sehr verständlich, wenn sie die zögerliche Haltung der Bundesregierung kritisieren, ihnen angesichts der Dürre finanziell unter die Arme zu greifen. Gleichzeitig ist die Gelegenheit für die Bauernverbände sehr günstig, ohne große Debatte eine Menge Geld einzustreichen und gleich noch ein paar Steuervorteile zu sichern. Die Bilder von schwitzenden Kühen und verdorrten Pflanzen sprechen für sich.

Aber die Zurückhaltung der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist richtig. Erst wenn die ganze Erntebilanz vorliegt, kann über finanzielle Hilfen entschieden werden. Die Trockenheit wirkt regional ganz unterschiedlich. Wenn sich das Wetter bessert, ist in manchen Kulturen auch noch eine zweite Ernte drin, zum Beispiel im Futterbau. Abwarten ist daher klug.

Die Landwirtschaft lebt in weiten Teilen seit Jahrzehnten von Subventionen. Erst seit ein paar Jahren hat sie sich zum größeren Teil an die Regeln der Marktwirtschaft gewöhnt. Gleichzeitig haben die Bauern einen schweren Stand, weil sie sich den Debatten um Massentierhaltung und industrielle Agrarwirtschaft lieber verweigert. Das hat der Landwirtschaft Sympathie gekostet und mindert ihre Chance auf Hilfe.

Man kann von den Bauern nicht verlangen, sich jetzt und schnell auf einen Klimawandel einzustellen, der genauso Regen und Kälte bringen kann wie Hitze und Dürre. Das Wetter wechselt schneller in die Extreme und ist schwer berechenbar. Die Politik muss dem mit Ruhe begegnen. Einfache Lösungen gibt es nicht.

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