Kommentar zur Debatte um SUV im Stadtverkehr: Mehr Sachlichkeit

Kommentar zur Debatte um SUV im Stadtverkehr : Mehr Sachlichkeit

Nicht Ideologie und Verallgemeinerung sind jetzt gefragt, sondern Anteilnahme für die Hinterbliebenen – und dann eine sachliche Debatte darüber, wie mit dem wachsenden Problem SUV umzugehen ist, kommentiert Nils Rüdel.

Populismus ist kein Phänomen der Rechten. Auch Grüne und Klimaschützer können das ganz gut. Das zeigt der schreckliche Unfall in Berlin, bei dem am Freitag vier Menschen starben. Es ist noch immer unklar, warum der Fahrer mit seinem Porsche-SUV von der Straße abkam, es gibt Hinweise auf einen epileptischen Anfall. Aber die Populisten wollten auf solche Feinheiten erst gar nicht warten. Ihnen reichen zwei Schlagworte: SUV! Porsche! Da ist man in Gedanken schnell bei: Rücksichtslos! Raser! Reich! Und schließlich bei: Verbieten! Nichts anderes macht die Deutsche Umwelthilfe („SUVs haben in unseren Städten nichts zu suchen!“) oder manche Grünen-Politiker, die Obergrenzen fordern.

Natürlich muss über Sinn und Unsinn von großkalibrigen Blechriesen für den Privatgebrauch diskutiert werden. Und zweifellos bringt der SUV-Boom viele Probleme, von der Sicherheit für Fußgänger über den enger werdenden Platz in den Städten bis zum klimaschädlichen CO2-Ausstoß. Aber den tragischen Tod von vier Menschen zum Anlass zu nehmen, ohne Kenntnis des Unfallhergangs seine politische Agenda voranzutreiben, ist falsch. Nicht Ideologie und Verallgemeinerung sind jetzt gefragt, sondern Anteilnahme für die Hinterbliebenen – und dann eine sachliche Debatte darüber, wie mit dem wachsenden Problem SUV umzugehen ist.

Sich einen Geländewagen anzuschaffen, ist immer noch eine freie Kaufentscheidung. Die Politik kann diese unattraktiver machen, etwa über weniger Platz für Autos in den Städten, durch mehr Fahrradwege oder, ganz klassisch, über die Steuerschraube. Das sind legitime Eingriffe. Verbote, Obergrenzen oder moralisierende Pauschalverurteilungen aller SUV-Fahrer sind es nicht.

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