Marlon Bröhr: Rhein-Hunsrück-Landrat ist Spitzenkandidat der CDU in Rheinland-Pfalz

Interview mit Rhein-Hunsrück-Landrat Marlon Böhr : „Ich bin ein ganz anderer Kandidat“

Erstmals seit 15 Jahren gibt es zwei Bewerber für die Spitzenkandidatur der rheinland-pfälzischen CDU. Neben Landtags-Fraktionschef Christian Baldauf tritt am Samstag Rhein-Hunsrück-Landrat Marlon Bröhr an. Beide wollen die CDU in die Landtagswahl 2021 führen. Mit Bröhr sprach in Simmern Bernd Eyermann.

Es werden Stimmen laut, die Sie auffordern, im Sinne der Geschlossenheit der Partei nicht zu kandidieren. Treten Sie trotzdem an?

Marlon Bröhr: Selbstverständlich.

Warum?

Bröhr: Ich habe mir das sehr gut überlegt und stehe zu meiner Entscheidung. Ich will gewinnen.

Wie wollen Sie die Delegierten überzeugen?

Bröhr: Wir haben in den letzten 30 Jahren viele Landtagswahlen verloren. Im gleichen Zeitraum haben wir eigentlich alle Bundestags-, Europa- und Kommunalwahlen gewonnen. Ich bin jemand, der das zum Anlass nimmt, die Konzeption insgesamt zu überdenken. Wir können nicht einfach so weitermachen. Ein Kandidat Marlon Bröhr stellt ein komplett anderes Konzept dar.

Welches?

Bröhr: Ich schätze Christian Baldauf sehr, aber ich bin kein Mandatsträger, sondern Amtsträger. Ich war Stadt- und Verbandsbürgermeister, ich bin Landrat, ich bin Kommunaler durch und durch. Ich bin jünger, komme genau aus der Mitte des Landes, kann im Wettstreit mit der Regierung nicht nur sagen, was ich gern ändern würde, sondern auch, was ich vorzuweisen habe.

Was haben Sie vorzuweisen?

Bröhr: Als einziger Kreis bundesweit ist der Rhein-Hunsrück-Kreis Energiekommune des Jahrzehnts. Wir sind beim Klimaschutz und der Energiewende ein, wie die Umweltministerin sagt, Vorzeigelandkreis. Uns ist es in den vergangenen vier Jahren gelungen, die Schulden des Landkreises zu halbieren. Bei Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenquote sind wir besser als der Landesschnitt. Und ich habe alle meine Wahlen bisher deutlich gewonnen.

Damit wollen Sie die Landesregierung schlagen?

Bröhr: Derzeit gibt es doch fast keinen Politikbereich, in dem Rheinland-Pfalz gut da steht. Nehmen Sie die Kommunen: Von den 20 am meisten verschuldeten der ganzen Bundesrepublik kommen zehn aus Rheinland-Pfalz. Wir werden nicht gut regiert. Man kann mit wenigen Hinweisen glaubhaft deutlich machen, dass es besser geht.

Ihre Kritiker werfen Ihnen vor, Ihre Person sei Ihr Programm.

Bröhr: Wenn man unsachlich und persönlich wird, scheint man mich als Kandidat ernst zu nehmen.

Was ist denn Ihr Programm?

Bröhr: Diese Regierung kann nicht mit Geld umgehen. Sie lässt die Kommunen ausbluten. Sie beschäftigt zu wenige Lehrer und es fällt viel Unterricht aus. Im Bundesvergleich beschäftigt sie die wenigsten Polizeibeamten auf 100.000 Einwohner. Sie hat einen verfassungswidrigen Pensionsfonds aufgelegt. Die Krankenhäuser werden schlecht finanziert. Beamte werden so schlecht bezahlt, dass sie nach Hessen und Baden-Württemberg wechseln. Bei all dem müssen wir umsteuern.

Kritik, die auch Baldauf in einem GA-Interview vorgebracht hat.

Bröhr: Da unterscheiden wir uns auch nicht. Die Versäumnisse der Landesregierung sind seit Jahren bekannt. In der heutigen Zeit gewinnen Sie Wahlen aber auch mit Personen und da bin ich ein ganz anderer Kandidat. Ich bin überzeugt, dass ich größere Chancen auf den Wahlsieg habe.

Als was würden Sie sich bezeichnen: Rebell, Erneuerer?

Bröhr: Als jemand, der von morgens bis abends sehr gern Politik macht und sich wie ein kleines Kind freut, wenn Dinge im Sinne des Bürgers verbessert werden.

Sie haben den derzeit handelnden Personen in der CDU das Image von Wahlverlierern angeheftet.

Bröhr: Entschuldigung, das sind die Fakten. Ich habe nicht das Image beschädigt, sondern zu einem innerparteilichen Diskussionsprozess angeregt. Demokratie lebt von dem Wettstreit der Personen und der Ideen. Die Frage ist: Macht man das respektvoll miteinander im Ton und im Umgang? Ich glaube, dass ich das sehr wohl tue.

Man wirft Ihnen vor, der Partei bewusst schaden zu wollen?

Bröhr: Wer sagt das denn? Die fünf älteren Herren, die gerne den Spitzenkandidaten aussuchen, oder die Basis der Partei? Der Rücklauf von der Basis ist überwiegend positiv.

Sie wollen, dass alle Mitglieder über die Spitzenkandidatur entscheiden. Ist das realistisch?

Bröhr: In der Rückschau ist die Prognose immer einfacher.

Haben Sie bei Ihrer Kandidatur auch das US-Vorwahl-Konzept im Kopf, dass man sich zunächst innerparteilich duelliert und sich danach hinter dem siegreichen Kandidaten versammelt?

Bröhr: Ich halte das Modell für viel demokratischer und viel schlauer. Es geht darum, eine Wahl zu gewinnen und je größer die Anzahl der Personen ist, die einen Spitzenkandidaten benennt, desto wahrscheinlicher ist doch die Annahme, dass nachher die Wählerschaft mehr oder weniger deckungsgleich darüber denkt.