Kommentar zu „Fridays for Future“: Langer Marsch

Kommentar zu „Fridays for Future“ : Langer Marsch

„Fridays for Future“ tritt jetzt an, den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen. Der führt nicht in die Radikalisierung, meint unser Autor.

Wie enden politische Bewegungen, die auf der Straße angefangen haben? Es gibt eine Reihe von Beispielen. Die wenigsten jedenfalls hielten durch, bis das Ziel erreicht war. Die letzten Reste der Friedensdemonstrationen Anfang der 1980er Jahre treffen sich immer noch. Viele Teilnehmer sind inzwischen hochbetagt, aber ungebeugt. Ihr Ziel ist weiter wichtig. Aber die reale Politik ist immer noch desinteressiert.

„Fridays for Future“ tritt jetzt an, den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen. Der führt nicht in die Radikalisierung, sondern dorthin, wo alle anderen längst verhandeln: zu konkreten politischen Vorschlägen. Das ist eine gute Entwicklung, zeigt sie doch die Ernsthaftigkeit der Jugendlichen und ihren konstruktiven Sinn. Ob es aber reicht, hier ein bisschen schneller und dort ein wenig radikaler zu sein als alle anderen, darf man wohl bezweifeln. Wer sich an das gigantische Räderwerk internationaler Absprachen der Bonner Weltklimakonferenz erinnert, hat eine Idee davon, wie alles mit allem zusammenhängt. Einfache Lösungen wird es auf dem Verhandlungsweg nicht geben, und Radikalität funktioniert in diesen Fragen einfach nicht. So wird es eher der lange Marsch durch die Institutionen, nicht die schnelle Revolution. Auch der kann etwas bringen, wenn auch nicht so schnell, wie es sich alle wünschen.

Und die Demonstrationen selbst? Der größte Feind von Schüleraktionen sind die Ferien. Wenn sie vorüber sind, kommen oft nur noch einige Unverdrossene. Der zweite große Feind sind Prüfungen. Wenn die Entscheidung ansteht, kurzfristig zur Demo zu gehen oder einen Abschluss zu machen, dann ist schnell klar, wie die Sache ausgeht.

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