Kommentar zur Jugendstudie: Kleine Erwachsene

Kommentar zur Jugendstudie : Kleine Erwachsene

Rebellische Jugend? Die gibt es allenfalls in der Erinnerungswelt von Erwachsenen, wie die neue Sinus-Jugendstudie bestätigt.

Auch wenn es „die“ Jugendlichen nicht gibt: Bei der Mehrzahl der 14- bis 17-Jährigen in Deutschland ist Mainstream angesagt, gutbürgerliche Werte und Lebensmuster haben Konjunktur. Hoch im Kurs stehen Freundschaft, Familie, Sicherheit, Planbarkeit. Kaum verwunderlich in einer Welt, die geprägt ist von Unsicherheiten und zugleich zunehmendem Leistungsdruck.

Mancher mag es beruhigend finden, wenn sich Jugendliche wie Mini-Erwachsene verhalten, die immer früher Lebens- und Karriereplanung im Blick haben. Man kann es aber auch anders sehen: Eine Generation, die auf die Barrikaden geht, die das Handeln und Denken ihrer Eltern infrage stellt, die eigene Lebensentwürfe träumt, kann durchaus bereichernd sein für eine Gesellschaft und deren Weiterentwicklung.

Erfreulich: Die Sinus-Studie bestätigt den schon in der Shell-Studie vom vergangenen Jahr erkennbaren Trend, dass die Jugend wieder politischer wird. Weniger erfreulich für die etablierte Politik: Dieses Interesse gilt nicht den Parteien, sondern Themen wie sozialer Ungerechtigkeit.

Wirklich Sorgen muss aber machen, dass sich für eine beträchtliche Zahl von Jugendlichen (laut Shell-Studie rund 15 Prozent), die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, das Gefühl verfestigt, sozial abgehängt zu sein. Sie sehen schwarz für ihre eigene Zukunft und die des Landes. Für politische oder religiös-extremistische Rattenfänger sind sie willkommene Opfer.

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