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Kommentar zur Zukunft der Ditib: Keine Emanzipation

Kommentar zur Zukunft der Ditib : Keine Emanzipation

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie eng der deutsche Moscheeverband Ditib von der türkischen Religionsbehörde Diyanet am Zügel geführt wird, die Vorgänge um die Abberufung von spionierenden Imamen aus Deutschland liefern ihn.

Seit mehr als einer Woche ist der Vorgang bekannt. Die Ditib wagt ihn erst zu bestätigen, nachdem eine gewundene Stellungnahme aus Ankara vorliegt. Die aber hat es in sich. Die türkische Religionsbehörde gibt ja offen zu, dass ihre Imame zu Spitzeldiensten angehalten waren. Nur haben einige leider nicht verstanden, dass diese Anweisung angeblich nicht im europäischen Ausland gilt. So etwas Dummes!

Der regierungsamtliche Opportunismus verlangt einem Diyanet-Imam aber auch einiges an Persönlichkeitsspaltung ab. In Istanbul und Izmir ist eine scharf antichristliche Predigt vorzutragen, die vor der Teilnahme an Silvesterfeiern warnt. In Köln und Koblenz hat der gleiche Imam nach seiner Versetzung den Mitmenschen zum neuen Jahr alles Gute zu wünschen.

In der Türkei verbreitet man Aufrufe zum islamischen Märtyrertum, in Deutschland hat man nichts damit zu tun. Da kann schon einmal etwas durcheinandergeraten und ein antijüdisches Pamphlet auf den Seiten einer deutschen Ditib-Gemeinde erscheinen.

Die Ditib hat deutlich gemacht, dass ihr das nicht recht ist und dass sie von Diyanet-Imamen fortan Wohlverhalten verlangt, aber die Zusammenarbeit nicht infrage stellt. Auch künftig sitzt der Dienstherr der Imame in Ankara, die Ditib-Ehrenamtler sind nicht Herren im eigenen Haus und wollen es auch nicht sein.

Angemerkt sei: Das haben wir in Deutschland jahrzehntelang so hingenommen, weil die Diyanet so gute Dienste beim Niederhalten des politischen Islam leistete. Dumm nur, dass Vertreter dieses politischen Islam nun in Ankara regieren, die Türkei zu einem autoritären Staat umbauen und das mächtige Instrument Diyanet für ihre Zwecke nutzen.

Die Diyanet-Imame arbeiten hier aufgrund staatlicher Abkommen. Deutschland kann sie aus übergeordneten Gründen – von der Erpressbarkeit in der Flüchtlingsfrage über die Nato-Zusammenarbeit bis zur Situation der bedrängten Christen in der Türkei – nicht infrage stellen.

Überdies würde die plötzliche Abberufung von 700 Staatsimamen zum Zusammenbruch der Ditib-Seelsorge führen. Keineswegs aber darf der Ditib im heutigen Zustand und damit dem Regime in Ankara Einflussnahme zum Beispiel auf deutsche Universitäten zugestanden werden, auch wenn diese Erkenntnis in der Wohlfühlregierung von Hannelore Kraft noch nicht ganz angekommen ist.

Wenn die Ditib mehr als Duldung ihrer Aktivitäten will, wenn sie Partner im gesellschaftlichen Dialog auf Augenhöhe mit den Kirchen sein möchte, dann muss sie sich von Ankara emanzipieren. Aber das will man im Schatten der Kölner Mega-Moschee leider nicht akzeptieren.