Kommentar zum Zustand der Bundeswehr: Kampf ums Image

Kommentar zum Zustand der Bundeswehr : Kampf ums Image

Fehlende Panzer, Schutzwesten, Zelte und Winterbekleidung ausgerechnet bei Soldaten, die sich auf eine besondere Nato-Bereitschaftsfunktion vorbereiten. Gregor Mayntz kommeniert den Kampf ums Image.

Ursula von der Leyen hat die Batterien der U-Boote nicht schneller altern lassen, als es in der Gebrauchsanweisung stand. Doch sie können alle derzeit nicht auf Tauchfahrt gehen. Die Verteidigungsministerin hat auch nicht die Produktionslinien für Spezialzahnräder stillgelegt. Und trotzdem führt das dazu, dass defekte Waffen und Fahrzeuge über Jahre nicht repariert werden können. Und die CDU-Politikerin hat auch nicht 2011 die Bundeswehrreform entworfen und durchgesetzt, die nach dem Befund des Wehrbeauftragten einen Teil des heutigen Pleiten-Pech-Pannen-Zustandes verursachte. Das war der CSU-Star Karl-Theodor zu Guttenberg, und auch was dessen Nachfolger und seine Vorgänger alles versuchten, um unter einem schrumpfenden Wehretat eine wachsende Zahl von Einsätzen zu ermöglichen, hat tiefe Verwerfungen hinterlassen, über die von der Leyen heute permanent stolpert.

Es ist auch nachvollziehbar, dass die militärische Führung meint, noch zehn Jahre zu brauchen, um das wieder aufzubauen, was durch 25 Jahre langes Sparen in die Brüche gegangen ist. Und doch gibt es zwei einfache Erklärungen, warum die Serie von Negativschlagzeilen nicht abreißt: Anspruch und Argwohn.

Von der Leyen übernahm das Amt und erweckte den Eindruck, nun alles besser zu machen, nachdem die vorherigen Verantwortlichen vieles falsch gemacht hatten. Sie räumte bei der Rüstung auf, setzte moderne Managementmethoden durch und konnte bei allem, was schief lief, darauf verweisen, dass dies vor ihrer Zeit schlampig auf den Weg gebracht worden war. Sie vergaß zumeist den Hinweis, dass das mit ihr jetzt nicht besser werden kann, weil die Wendemanöver des riesigen Konzerns namens Bundeswehr nur sehr langsam ablaufen.

Deshalb schwand von der Leyens Glaubwürdigkeit mit jedem Monat, in dem sie immer noch auf Fehler der Vergangenheit verwies. Der Wehrbeauftragte packte sie nun an einem ganz einfachen Beispiel: Die Ausstattungsmängel für die Bereitschaftsphase deutscher Soldaten in der Nato-Speerspitze waren 2015 offenkundig geworden. Da war von der Leyen längst im Amt. Ihr war bekannt, dass die Deutschen ab 2018 wieder dran sind. Da hätte sie konsequent und mittelfristig vorbeugen können, statt nun kurzfristig nachsteuern zu müssen.

Hinzu kommt ihre Strategie, stets zu allererst eine Brandmauer zwischen sich und den Missständen aufzubauen, wenn wieder was schiefgelaufen ist. Das führt zur Entfremdung zwischen Soldaten und Ministerin und wurde auf die Spitze getrieben, als sie der Bundeswehr pauschal ein „Haltungsproblem“ unterstellte. Dieser verbreitete Argwohn in der Truppe trägt nun dazu bei, dass Soldaten ihrem Frust mit Verweis auf große und kleine Mängel Luft machen und diese mit Vorliebe der Ministerin in die Schuhe schieben. So ist die Schlacht ums Material auch ein Kampf ums Image.

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