Nachwuchs von Verfassungsschutz und BND: In diesem Ausbildungszentrum machen Agenten ihren Master

Nachwuchs von Verfassungsschutz und BND : In diesem Ausbildungszentrum machen Agenten ihren Master

Der Verfassungsschutz und der Bundesnachrichtendienst bilden ihren Nachwuchs nun gemeinsam aus. Im „Zentrum für Nachrichtendienstliche Aus- und Fortbildung“ in Berlin lernen sie den Studiengang „Master Intelligence and Security Studies“.

Wenn die Bläser des Berliner Polizeiorchesters zur Eröffnung eines Ausbildungszentrums „007 jagt Dr. No“ anstimmen und keinen Bogen um den „Spion, der mich liebte,“ machen, dann muss das schon ein ziemlich agententrächtiges Ding sein. Und wenn dann nacheinander der Nachrichtendienstbeauftragte des Kanzleramtes und der des Innenministeriums aus dem Nähkästchen plaudern, liegt das Metier auf der Hand. Der Inlands- und der Auslandsnachrichtendienst probieren Neues: Sie bilden ihren Nachwuchs nun gemeinsam aus.

„Miss“ heißt das, worum es nun im „Zett-Naff“ geht. Nicht gesprochen, sondern geschrieben stehen die Abkürzungen MISS und ZNAF für den Studiengang: „Master Intelligence and Security Studies“ sowie „Zentrum für Nachrichtendienstliche Aus- und Fortbildung“. Da finden sich in 20 Hörsälen nicht nur die Theorie und Ethik nachrichtendienstlicher Aktionen auf dem zweijährigen Programm. Da werden nicht nur aktuelle außen- und sicherheitspolitische Fragen beackert. Da lernen die angehenden Agenten auch, wie sie observieren, ohne aufzufallen, wie sie Quellen gewinnen und V-Leute führen. Und sie lernen natürlich die „Schütteltechnik“. Nein, nicht bezogen auf den Martini von James Bond, sondern darauf, wie man die Verfolger anderer Geheimdienste abschüttelt.

Auch Kostengründe führten zur Zusammenlegung der Ausbildung von BND und Verfassungsschutz

Wie weit der Weg für die beiden Dienste zu einer verschränkten Schulung war, weiß Innen-Staatssekretär Hans-Georg Engelke aus der Zeit, als aus dem geheim tagenden Vertrauensgremium des Bundestages die Anregung kam, nicht zuletzt aus Kostengründen die Ausbildung der Dienste zusammenzulegen. Mehr als zwölf Jahre ist das jetzt her, und damals war Engelke Abteilungsleiter im Verfassungsschutz geworden. Und er hatte ganz naheliegende Fragen: „Wir sind doch ein Nachrichtendienst, da müssten wir das doch können.“ Antwort: „Können wir nicht.“ Nächste Frage: „Aber der BND, kann der das?“ „Die können das, glaube ich.“ Engelke wollte es wissen, ließ für die Mitarbeiter Flüge nach München buchen, um das beim BND herauszufinden. Vom Flughafen dann der Anruf: „Chef, wir kommen wieder zurück.“ Begründung: Beim BND hatte irgendeiner die Idee, den Verfassungsschutz ins Haus zu lassen, nicht so gut gefunden.

Ähnliches erlebte Engelke mit US-Diensten, die verblüfft waren, dass der Verfassungsschutz nicht wusste, was der BND längst von den US-Kollegen bekommen hatte. Nun sitzen die Präsidenten der Dienste nebeneinander und schmunzeln darüber. Dass die gegenseitige Geheimniskrämerei so weit ging, ist in Zeiten des Kampfes gegen Terror und Extremismus schwer nachzuvollziehen. Sie dürfte mit den Ausbildungsjahrgängen, die nun fertig werden, auch weiter schwinden. Sollen diese doch das gemeinsame Rüstzeug auch wechselweise in den Diensten anwenden. Der Chef des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Armin Schuster, lässt aufhorchen, als er dem neuen Zentrum für die Auswahl des künftigen Personals eines unmissverständlich mit auf den Weg gibt: Extremisten und Radikalen gefälligst keine Chance zu geben. „Ich erwarte eine einwandfreie politisch mittige Haltung.“ Schuster wird wissen, warum er das sagt.

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