Bahnverkehr im Rheinland: Hier entstehen die Bahn-Verspätungen der Region

Bahnverkehr im Rheinland : Hier entstehen die Bahn-Verspätungen der Region

Die Bahn hat im Kölner Hauptbahnhof und in Deutz zu wenige Gleise zur Verfügung. Große Probleme gibt es aber auch auf der linksrheinischen Strecke.

Überall in Deutschland hat die Bahn Probleme. Im Rheinland ist der chronisch überlastete Knoten Köln das größte. Hier entstehen viele Verspätungsminuten – und viel Frust bei den Kunden. Benjamin Jeschor, Sprecher des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR), erklärt: „Das Problem ist nicht die Hohenzollernbrücke.“ Da könne man mit Weichensteuerungen einiges machen.

Problematischer sei, dass im Kölner Hauptbahnhof und im Bahnhof Köln-Messe/Deutz viel zu wenig Platz zur Verfügung stünde. „Alle Züge müssen durch diesen Engpass.“ Gleichgültig, ob sie Richtung Bonn oder in die Eifel unterwegs sind, aus dem Oberbergischen, vom Niederrhein oder aus dem Ruhrgebiet kommen – der fehlende Platz am Knoten Köln habe Auswirkungen auf das gesamte Streckennetz im Rheinland.

Wann Abhilfe kommen soll, ist noch unklar. Immerhin steht der Ausbau des Knotens Köln mit Vorrang im Bundesverkehrswegeplan. So schnell wie möglich sollen nun zusätzliche Bahnsteige im Hauptbahnhof und in Deutz gebaut werden. Konkret geht es um ein separates Gleis für die S-Bahn. Dann könne es einen dichteren Takt geben und mehr Raum auf anderen Gleisen für weitere Verbindungen, sagt NVR-Sprecher Jeschor.

Derzeit sei es so, dass zusätzliche Verbindungen nur in den Randzeiten, also frühmorgens oder spätabends, möglich seien. Im Februar gebe es die nächste „Bahnknotenkonferenz“. Dann könnten Ergebnisse aus der vor gut zwei Jahren angestoßenen Vorplanung vorliegen. Für die meisten anderen Maßnahmen zur Entlastung des Knotens haben die Vorplanungen noch gar nicht begonnen.

Grüne fordern drittes Gleis

Die Bahn will nach schriftlicher Auskunft einer Sprecherin „die vorhandenen Kapazitäten besser managen, damit Verspätungen weniger Auswirkungen auf andere Züge haben“. Dafür arbeiteten ein Einsatzteam, dessen Aufgabe es sei, den Verkehr zwischen Köln und Dortmund zuverlässiger zu steuern, die sogenannten Lagezentren Bau und Pünktlichkeit sowie „Planstartteams“ in Köln und Dortmund. Mittelfristig helfe nur die Digitalisierung der Schiene. Bundesweit gehe man von 20 Prozent mehr Kapazität aus. Im Rheinland setze man zum Beispiel auf den Rhein-Ruhr-Express und den zweigleisigen Ausbau zwischen Köln-Dellbrück und Bergisch Gladbach.

Was Verspätungen angeht, gelten im Rheinland als besonders anfällig die langen Regionalexpress-Linien RE 1 von Aachen über Köln und Düsseldorf bis Hamm sowie der RE 5 Koblenz-Bonn-Köln-Wesel. Letzterer fährt zwischen Koblenz und Köln auf der linksrheinischen Strecke – einem Abschnitt, in dem es seit Jahren Probleme gibt. Was auch die Bahn so sieht, hat sie doch schon 2017 die Strecke für „überlastet“ erklärt.

Soll heißen: Die Bahn-Unternehmen wollen dort mit mehr Zügen fahren, als es die Trasse hergibt, weiß der CDU-Verkehrsexperte Oliver Krauß aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Gerade die Pendler sind davon besonders betroffen, müssen doch die Nahverkehrszüge immer wieder langsamer fahren, um schnellere Züge überholen zu lassen. Verschärft wird die Situation auch dadurch, dass Züge wegen des Ausbaus der S 13 von der parallelen rechtsrheinischen Trasse umgeleitet werden.

Für den Bonner Grünen-Politiker Rolf Beu sind die linksrheinischen Probleme nur zu beheben, indem zwischen Köln und Bonn-Mehlem „ ein drittes und, wo möglich, ein viertes Gleis“ gebaut wird. Nur so könnten eine linksrheinische S-Bahn eingerichtet, die sieben Bonner Bahnstationen miteinander verbunden, „und ein konkurrenzlos schnelles Angebot vom Hardtberg bis in den Godesberger Süden geschaffen werden“, sagte Beu jüngst dem General-Anzeiger. Auf sich warten lassen zudem die Fertigstellung der Bahnhofsumbauten in Bonn und Bad Godesberg, aber auch die Elektrifizierung der Voreifelbahn, inklusive des zweigleisigen Ausbaus eines Abschnitts bei Witterschlick.

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