Kommentar zum AOK-Gesundheitsreport: Größere Not in Städten

Kommentar zum AOK-Gesundheitsreport : Größere Not in Städten

Es ist kein neuer Befund, dass wohlhabende Menschen länger und gesünder leben als Menschen in Armut. Dennoch müssen die Ergebnisse des AOK-Gesundheitsreports wachrütteln.

Die Unterschiede beim Gesundheitszustand und der Gesundheitsversorgung von Arbeitnehmern und Hartz-IV-Empfängern sind krass. Besonders erschütternd ist, dass dieser Zustand vom Baby- bis zum Greisenalter anhält.

Nun hat jeder erwachsene Mensch auch eine große Eigenverantwortung für seine Gesundheit. Wer Vorsorge nicht in Anspruch nimmt, wer sich zu wenig bewegt und sich falsch ernährt, hat ein höheres Risiko zu erkranken. Das sind Binsenweisheiten und Vater Staat kann nicht bei jedem Sofa-Sitzer mit erhobenem Zeigefinger vorbeischauen. Die Krankenkassen brauchen aber ganz offensichtlich neue und andere Konzepte, Versicherte, die nicht oder zu selten zum Arzt gehen, ihre Kinder nicht zur Vorsorge bringen und wahrscheinlich auch zu wenig über den Erhalt der eigenen Gesundheit wissen, besser zu erreichen. Deutschland leistet sich eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt. Da sollte man alle Bürger versorgen können.

Bislang galten insbesondere die ländlichen Regionen als unterversorgt, weil es dort häufig an Haus- und Fachärzten mangelt und der Weg zum nächsten Krankenhaus in vielen Fällen weit ist. Der AOK-Report zeigt aber, dass in den Brennpunktvierteln der Städte die Not viel größer ist. Selbstverständlich sollte man bei den Bemühungen für eine gute ländliche Gesundheitsversorgung nicht nachlassen. Die eigentliche Baustelle liegt aber in jenen Stadtvierteln, in denen der Anteil an Versicherten mit geringen Einkommen besonders hoch ist. Dort bedarf es besonderer Angebote.

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