Sigmar Gabriel in Bonn: Gabriel lobt Adenauer und Erhard in der Uni Bonn

Sigmar Gabriel in Bonn : Gabriel lobt Adenauer und Erhard in der Uni Bonn

Am Montag wurde die Edition „Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und die Soziale Marktwirtschaft“ in der Bonner Uni vorgestellt. Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel entdeckt bei den beiden früheren Kanzlern sozialdemokratisches Gedankengut.

Sie waren prägend in der jungen Bundesrepublik: hier Konrad Adenauer, der Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende, dort Ludwig Erhard, der Wirtschaftsminister und spätere Nachfolger von Adenauer als Kanzler und CDU-Chef. Im Kabinett saßen sie von 1949 bis 1963 zusammen, tauschten sich aus, diskutierten und stritten miteinander – auch schriftlich. Insgesamt 453 Briefe der beiden sind überliefert, 187 davon sind in der Edition „Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und die Soziale Marktwirtschaft“ abgedruckt. Die Zahlen nannte der Potsdamer und frühere Bonner Historiker Dominik Geppert bei der Vorstellung des voluminösen Quellenbandes am Montagabend in der Bonner Uni.

Geppert ist einer der beiden Herausgeber des 20. Bandes der Rhöndorfer Ausgabe, in der unter der Ägide der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus vor allem Quellen aus der Amtszeit des ersten Bundeskanzlers veröffentlicht werden. Als zweiter Herausgeber wird der 2017 verstorbene Bonner Historiker Hans-Peter Schwarz genannt, der laut Stiftung „den entscheidenden Anstoß“ für den Band gab.

Doch wie sah die Diskussion aus zwischen dem Gründungskanzler und dem Vater der Sozialen Marktwirtschaft? Erhards Briefe seien sehr viel ausführlicher gewesen, „teils gewunden, teils auch ausschweifend, im Ton meist akademisch, mitunter auch pathetisch“, sagte Geppert. Adenauers Briefe dagegen seien sehr viel knapper gewesen, „teils lakonisch, apodiktisch, auch sehr scharf gegenüber seinem Minister“.

Mit der Untersuchung sollte unter anderem „die Mär vom Kampf des Politikers Adenauer gegen den wirtschaftspolitischen Fachmann Erhard, der aber leider zu unpolitisch gewesen sei“, überprüft werden, beschrieb Jürgen Rüttgers, Kuratoriumsvorsitzender der Rhöndorfer Stiftung, einen der Beweggründe. Und das Ergebnis? „Adenauer war keineswegs wirtschaftspolitisch indifferent und nicht nur an der Außenpolitik interessiert.“ Wahr sei aber auch, dass „Erhard nicht nur der unpolitische Professor war, als der er oft dargestellt wird“.

Für Sigmar Gabriel, den früheren SPD-Parteichef und einen der Nachfolger Erhards als Wirtschaftsminister, gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte an die Jetzt-Zeit, zum Beispiel bei der Grundrente. So betonte Gabriel in Bonn, dass Adenauer einmal darauf hinwies, es sei doch eine Unverschämtheit, wenn man Menschen ihren Lebtag arbeiten lassen würde und am Ende hätten sie keine anständige Rente. „Da hab ich gedacht, ob (Bundesarbeitsminister) Hubertus Heil den Text Adenauers vorher gelesen hat.“

Wenn man das alles lese, bekomme man ein Gefühl dafür, dass es nicht immer nur um die Frage gehe, „wie viel geben wir eigentlich im Jahr für was aus“, so Gabriel. Adenauer und Erhard hätten für eine politische Orientierung gesorgt, „die weit über den Tag hinaus das Land getragen hat“. Das sei das Spannende an der Kontroverse der beiden gewesen. Mit einem Lächeln erzählte Gabriel, dass er auch bei Erhard sozialdemokratisches Gedankengut fand: die Einführung einer Vermögensteuer Mitte der 50er Jahre und die positive Haltung gegenüber einer hohen Erbschaftsteuer.

Dominik Geppert, Hans-Peter Schwarz (Hg.): Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und die Soziale Marktwirtschaft. Bearbeitet von Holger Löttel. Rhöndorfer Ausgabe. Band 20. Verlag Ferdinand Schöningh. 2019. 1216 Seiten. 129 Euro

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