Kommentar zur Forderung nach einer Dienstpflicht: Freiwillige vor

Kommentar zur Forderung nach einer Dienstpflicht : Freiwillige vor

Hunderttausende junge Menschen zum Dienst verpflichten kann keine Lösung sein. In der Praxis hilft der CDU-Vorschlag deshalb nicht weiter. Die motiviertesten Soldaten oder Pfleger sind die, die es freiwillig tun. Ein Kommentar von GA-Redakteur Nils Rüdel.

Die verunsicherte CDU sucht nach Identität und Ideen – und bringt nun eine „allgemeine Dienstpflicht“ für alle Schulabgänger ins Gespräch. Was soll das sein? Konservative wie JU-Chef Paul Ziemiak, vom Sommerloch erhitzt, wünschen sich einmal mehr die Wehrpflicht zurück. Andere betonen das Zivile – junge Leute sollen in einem „Gesellschaftsjahr“ zwischen Bundeswehr, Sozialeinrichtungen oder Rettungsdiensten wählen.

Der Befund ist ja richtig: Ob Bundeswehr, Pflegebranche, Bundesfreiwilligendienst, Feuerwehr oder THW – überall herrschen große Nachwuchssorgen. Doch die Antwort darauf kann nicht sein, Hunderttausende junge Männer und Frauen zum Dienst zu zwingen. Das dürfte schon verfassungsrechtlich nicht gehen, weil es tief in die persönliche Freiheit eingreift. Und wollen wir eine Monsterbürokratie schaffen, mit Kreiswehrersatzämtern, Tauglichkeitschecks und Sanktionen?

Die motiviertesten Soldaten oder Pfleger sind die, die es freiwillig tun. Die Politik sollte statt einer Dienstpflicht für junge Leute ihrer eigenen Dienstplicht nachkommen und die Institutionen attraktiver machen. Die Bundeswehr braucht endlich eine moderne Ausstattung, ein funktionierendes Beschaffungswesen und vor allem: mehr Anerkennung. Der Bundesfreiwilligendienst könnte durch höhere Entlohnung, mehr Flexibilität und Vorteilen bei der Studiumszulassung mehr junge Leute anlocken. Und auch in der Pflege müssen die Anstrengungen noch verstärkt werden.

Der CDU-Vorschlag mag bei der eigenen Identitätsfindung helfen. In der Praxis hilft er eher nicht.