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Insolvenz als Chance: Folgen der Schlecker-Pleite für die Region

Insolvenz als Chance : Folgen der Schlecker-Pleite für die Region

Auch in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis waren viele Beschäftigte von der Schlecker-Insolvenz betroffen. Zwei von ihnen wagten die Selbstständigkeit.

Die Insolvenz von Schlecker vor über fünf Jahren leitete auch das Aus von mehr als 60 Filialen der Drogeriekette in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis sowie von der Firmentochter „Ihr Platz“ ein. Diese hatte der Schlecker-Konzern 2007 übernommen. Ende März 2012 schlossen die ersten neun der insgesamt 15 Geschäfte in Bonn, darunter die Filialen in Lessenich (Roncallistraße), in Endenich (Endenicher Straße) und in Beuel (Friedrich-Breuer-Straße). Bundesweit machten zu diesem Zeitpunkt 2200 Schleckerläden zu, die restlichen folgten im Sommer.

Nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch bei den Kunden war die Betroffenheit über das Aus damals groß. Vor allem für ältere Kunden war die Drogeriekette, die ihre Filialen nicht selten etwas abseits der Stadt- und Einkaufszentren betrieb, eine wichtige Einkaufsmöglichkeit. Demgegenüber standen viele Beschäftigte vor einer ungewissen Zukunft: 159 Angestellte der mehr als 60 Filialen in der Region meldeten sich bei der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg arbeitslos. Rund ein Jahr später fanden 65 von ihnen eine neue Stelle, 37 ließen sich umschulen und 17 meldeten sich bei der Arbeitsvermittlung ab. Aktuellere Zahlen liegen der Agentur nicht vor.

Einen besonderen Weg aus der beruflichen Unsicherheit wählten Petra Altenberg und Angela Dussier: Sie arbeiteten 23 Jahre lang in der „Ihr Platz“-Filiale in Bad Honnef an der Ecke Hauptstraße/Bahnhofstraße. Altenberg als Marktleiterin, Dussier als ihre Stellvertreterin. Nach dem feststehenden Ende ihres Arbeitgebers und reichlicher Überlegung beschlossen beide, den Drogeriemarkt als Selbstständige weiterzuführen – und sind damit eine seltene Spezies: Laut der Agentur für Arbeit machten sich nur 23 der ehemals 4761 Schlecker-Beschäftigten in NRW selbstständig.

Neuer Drogeriemarkt am alten Ort

Rund ein halbes Jahr nach dem letzten Verkaufstag der alten Filiale und erfolgreichen Verhandlungen mit der Bank und dem Vermieter des Ladenlokals eröffneten Altenberg und Dussier an gleicher Stelle ihren eigenen Drogeriemarkt, der weiterhin den Namen Ihr Platz trägt. Anfangs bezogen sie die Waren von der Rewe-Gruppe, inzwischen aber von den Drogeriegruppen „DroNova“ und Iwan Budnikowsky, die in Hamburg etliche Filialen betreibt.

Ihre Entscheidung, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, haben beide bis heute nicht bereut. Allerdings sagt Dussier auch: „Wir haben es uns einfacher vorgestellt, aber hier in Bad Honnef ist es schwierig.“ Im vergangenen Jahr litten sie lange unter einer Kanalbaustelle, die Kunden den Weg zu ihrem Geschäft erschwerte.

Teilweise hätten die Bagger direkt vor der Türe gestanden. „Viele unserer Stammkunden von früher kommen weiterhin zu uns, aber um andere müssen wir kämpfen“, erzählt Dussier. Trotz der schwierigen Marktlage konnte das Duo neben einer fest angestellten Teilzeitkraft sowie zwei Mitarbeiterinnen auf 400-Euro-Basis eine weitere fest angestellte Mitarbeiterin einstellen.

Zum Urteil gegen die Schlecker-Familie wollen sich Altenberg und Dussier eigentlich nicht äußern. „Es war schon interessant zu sehen, wie der Prozess abläuft. Aber wir wissen ja, dass wir finanziell nichts mehr kriegen“, sagt Dussier knapp. Für sie, ihre Mitstreiterin Altenberg und wohl viele weitere ehemalige Angestellte der Drogeriekette ist das Kapitel Schlecker längst abgeschlossen.