Kommentar zu Grundschülern: Falsche Debatte

Kommentar zu Grundschülern : Falsche Debatte

Müssen Kinder, wenn sie in die Grundschule kommen, Deutsch sprechen können? Ja, findet Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann. Es muss eine konstruktive Debatte her, kommentiert Helge Matthiesen.

Warum entgleisen eigentlich notwendige Debatten, noch bevor sie wirklich begonnen haben? Carsten Linnemann hat ein wenig forsch argumentiert. In der Sache aber spricht er einen wichtigen Punkt an: Wer nicht genug Deutsch kann, um dem Unterricht zu folgen, ist vielleicht noch nicht reif für die Schule. Auch seine Einschätzung, dass eine Überforderung der Grundschulen droht, wenn diese den Kindern erst Deutsch und erst dann Lesen und Schreiben beibringen soll, trifft einen wichtigen Punkt. Grundschulen sollen übrigens auch in der Inklusion noch Hervorragendes leisten. In der Tat wandern Eltern mit ihren Kindern aus dem staatlichen System aus, wenn sie glauben, dass ihre Kinder nicht richtig gefördert werden.

Es ist doch der falsche Weg, die Debatte zu untersagen, wie es manche gerne möchten. Noch absurder sind Geschichten von irgendwelchen Einzelfällen, bei denen es gar nicht geschadet haben soll, dass er oder sie beim Schulstart noch nicht richtig Deutsch konnte – übrigens ein Problem nicht nur in Migrantenfamilien. Das sind eben leider nur Einzelfälle und nicht die Regel.

Es muss eine konstruktive Debatte her, denn die Schule ist die wohl wichtigste Einrichtung für die Integration von zugewanderten Familien. Sie ist wichtig auch für sozial benachteiligte Menschen. Wenn Bildung nicht gleich am Anfang gelingt, ist auf der langen Strecke oft nicht mehr viel zu retten. Doch wie gelingt es, möglichst allen Kindern einen guten Start in eine gelingende Schulkarriere zu ermöglichen? Nach der Hysterie brauchen wir konstruktive Vorschläge: Mehr Sprachförderung vor der Schule wäre so eine Möglichkeit. Mehr Förderung schwacher Schüler in der Schule eine andere. Mehr richtig ausgebildete Lehrer übrigens auch.

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