GA-Serie "NRW - Was nun?": Ein Champion mit NRW im Herzen

GA-Serie "NRW - Was nun?" : Ein Champion mit NRW im Herzen

Das Wirtschaftswachstum liegt in Nordrhein-Westfalen seit einigen Jahren oft unter dem Bundestrend. Landesregierung und Opposition streiten. Der Bonner Unternehmer Toni Enenkel findet sein Heimatbundesland prima.

Wenn Toni Enenkel über sein Bundesland spricht, dann schwingt da viel Sympathie mit. „Nordrhein-Westfalen liegt mir am Herzen“, sagt der Bonner Unternehmer. Die gute Anbindung zu Stadt, Autobahn und Flughafen sowie das große Kulturangebot seien dafür entscheidend. „Für unser internationales Publikum sind die vielen Sehenswürdigkeiten, Museen, Theater, Opern, der Rhein und Großstädte wie Köln und Düsseldorf hoch interessant“, fügt Enenkel hinzu.

Der 45-Jährige führt mit seiner Firma Frings einen Hidden Champion, einen geheimen Weltmarktführer, also ein Unternehmen, das international sehr erfolgreich, aber über die Branche hinaus kaum bekannt ist. Anlagen zur Herstellung von biologischem Essig baut Enenkels Firma in der Bonner Weststadt – sein Onkel hat das Patent vor 40 Jahren angemeldet.

Weil die Brandschutzauflagen inzwischen so hoch seien, dass er mächtig hätte investieren müssen, um an dem traditionsreichen Standort auch nach 90 Jahren weiter produzieren zu können, verlagert Enenkel den Betrieb mit seinen 80 Mitarbeitern (60 davon in Bonn) und einem Umsatz von zehn Millionen Euro pro Jahr 2017 nach Rheinbach. „Wir wären gern in Bonn geblieben“, sagt er, doch die Stadt habe „kein adäquates Grundstück zu einem annehmbaren Preis“ anbieten können. Ihm wäre allerdings nie in den Sinn gekommen, aus NRW wegzuziehen. „Ich will ein Teil der vielen mittelständischen Unternehmen bleiben, die es hier im Land gibt“, sagt Enenkel.

Davon gibt es 754.000 allein an Rhein, Ruhr und Weser, und die erwirtschaften mehr als 470 Milliarden Euro im Jahr – das entspricht 34 Prozent des Jahresumsatzes aller Unternehmen im Land. „Der Mittelstand ist wesentlicher Teil der DNA und das wirtschaftliche Fundament von Nordrhein-Westfalen“, heißt es in dem im September von der rot-grünen Landesregierung beschlossenen Wirtschaftsbericht des Landes. Und so wie den Mittelstand sieht die Landesregierung die gesamte Wirtschaft auf gutem Kurs.

„Wir haben keinen Grund, schwarz zu malen“, sagt Ressortminister Garrelt Duin (SPD). Noch nie hätten so viele Menschen in NRW Arbeit gehabt, die Jugendarbeitslosigkeit sei auf einen historischen Tiefstand gesunken, das Land sei Innovationsstandort Nummer eins in Deutschland und bei der Wirtschaftsleistung stehe das Land an der Spitze aller Bundesländer.

Man kann aber auch andere Statistiken heranziehen. Und nach denen ergibt sich ein ganz anderes Bild. So hat unter den westdeutschen Flächenländern keines eine höhere Arbeitslosigkeit als NRW, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) jüngst herausgefunden hat. Mit 14.000 Euro liege das Land bei der Pro-Kopf-Verschuldung weit über dem Bundesschnitt. NRW nehme im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern immer noch Schulden auf. Und auch bei den Investitionen wende Nordrhein-Westfalen viel weniger auf als die meisten anderen Bundesländer.

Die Opposition greift diese Studien natürlich gern auf. Schließlich sind die Negativnachrichten Wasser auf ihre Mühlen. „Unser Land kann mehr“, rufen Politiker von CDU und FDP regelmäßig der Landesregierung zu. Sie fordern zum Beispiel, dass Betriebe mehr Möglichkeiten erhalten, sich auszudehnen oder weniger Naturschutzauflagen haben.

Auch der Bonner Unternehmer Enenkel könnte sich vorstellen, dass manches besser läuft. Ganz wichtig ist ihm ein Förderprogramm des Landes für Forschung und Entwicklung. „Damit könnten kleine und mittlere Unternehmen ihre Produkte weiterentwickeln, um auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben“, sagt Enenkel. „Wir haben nicht das Geld und das Personal für solche Forschungsprojekte.“ Wenn über die Wachstumsschwäche der NRW- Wirtschaft diskutiert werde, dann habe das auch mit den im Vergleich zu anderen Bundesländern geringeren Ausgaben für Forschung und Entwicklung zu tun.

Und noch etwas liegt dem Unternehmer am Herzen: „Der Mittelstand müsste für Hochschulabsolventen wieder attraktiver werden, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.“ Neulich habe er eine Stelle für einen Ingenieur ausgeschrieben, doch nur drei Bewerbungen erhalten. „Das ist zu wenig. Die Ingenieure, die von den Unis kommen, gehen in die großen Konzerne.“ Vielleicht könne das Land ja Kooperationsmöglichkeiten der Hochschulen mit den kleineren Betrieben anstoßen und so unterstützend wirken. Schließlich möchte er mit seinem Unternehmen noch lange in NRW tätig sein.