Kommentar zur Lage von Angela Merkel: Die Zeit nutzen

Kommentar zur Lage von Angela Merkel : Die Zeit nutzen

Die verbalen Attacken auf Angela Merkel sind wirkungsvoller als noch in den vergangenen Jahren. Sie reichen aber längst nicht, um die Kanzlerin aus dem Amt zu jagen, meint unsere Autorin.

In ihren zwölf Amtsjahren stand die Kanzlerin noch nie so machtlos da wie derzeit. Dennoch gelingt es ihren Gegnern nicht, sie sturmreif zu schießen. Sie sind zu schwach, zu wenig einig, zu wenig planvoll. Hier eine Boshaftigkeit eines FDP-Vize-Chefs, dort der Versuch eines ausrangierten SPD-Chefs, Bedingungen für eine nächste Regierung zu diktieren, dazu die bekannte Fundamentalkritik von Linken und AfD – das reicht nicht, Merkel aus dem Amt zu jagen. Sei sie noch so geschwächt.

Merkel muss sich über die Startlinie einer neuen Regierung schleppen. Dennoch ist kein politischer Gegner und kein kritischer Parteigänger schneller als sie am Start. Diejenigen, die sie loswerden wollen, macht das mürbe. Allerdings ist nach den dramatischen Verlusten bei der Bundestagswahl auch für Merkel die Lage noch einmal unbequemer geworden. Während öffentliche Angriffe gegen die Bundeskanzlerin früher wie ein Bumerang wirkten und die Beliebtheitswerte des Absenders sinken ließen, ist Merkel-Kritik mittlerweile eine Übung, mit der man punkten kann. Deshalb hören die Angriffe gegen die Kanzlerin auch nicht auf.

Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass es bis Ostern tatsächlich ein neues Regierungsbündnis aus Union und SPD gibt. Vermutlich nach zwei Jahren wird die SPD einen guten Grund finden, aus der Regierungskoalition auszusteigen. Wenn Merkel daran gelegen ist, nicht eines Tages vom Hof gejagt zu werden, sollte sie bis dahin die Zeit nutzen, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin aufzubauen. Ansonsten machen das andere.

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