Atommüll: Die lange Suche nach einem Atomendlager

Atommüll : Die lange Suche nach einem Atomendlager

Vom Atomausstieg bis zu einem Atomendlager ist es noch ein weiter Weg. Die Standortsuche ist schwierig, denn keiner will den Müll. Dabei hatten sich alle Beteiligten auf ein Prinzip geeinigt.

Zum Beispiel der Granit im Fichtelgebirge und im Bayerischen Wald. Oder der Ton in jenem Zipfel der Schwäbischen Alb, der an der Donau nach Bayern reinreicht. Unabhängig von geologischer Expertise hat die Landesregierung in München schon vorgebaut: „Wir denken beim Schutz unserer Heimat über Generationen hinaus. Wir sind überzeugt, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager ist“, heißt es im Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern.

Ministerpräsident Markus Söder, der seit Wochen den obersten Grünen unter den Schwarzen gibt, hat noch einmal nachgelegt. „Geologisch gesehen passt Bayern nicht.“ Das Gestein im Freistaat sei deutlich weniger geeignet als etwa der Salzstock im niedersächsischen Gorleben. Daher: Kein Atommüllendlager in Bayern. Ähnlich argumentiert Sachsen. Auch dort: der Granit nicht geeignet. Das Problem soll möglichst weit weg.

Alle hatten sich auf Prinzip einer „weißen Landkarte“ geeinigt

Dabei hatten sich alle Beteiligten auf das Prinzip einer „weißen Landkarte“ geeinigt, als vor Jahren die Suche nach einem Atommüllendlager neu gestartet wurde. Keine Vorfestlegung – auch nicht auf Gorleben, nur weil dort schon für Milliarden Euro gebuddelt wurde. Die Suche sollte ergebnisoffen sein, was bedeutet, grundsätzlich kommt ein Standort an theoretisch jedem Ort der Republik in Frage, auch in Bayern, Sachsen oder Baden-Württemberg.

Denn das Verfahren sieht auch vor: Zunächst sollen Gebiete genannt werden, die für eine „Erkundung“ in Frage kommen. Danach sollen „Erkundungsbergwerke“ entstehen. Und schließlich soll bis 2031 der Standort für das deutsche Atommüllendlager gefunden sein, in das dann ab Mitte dieses Jahrhunderts der strahlende Abfall eingelagert werden soll – und zwar sicher für die Nachwelt. Bis es so weit ist, lagern die Stromkonzerne ihren Atommüll in Zwischenlagern, die oft in der Nähe ihrer Atomkraftwerke eigens errichtet wurden.

Die für mehrere Jahrhunderte strahlende Hinterlassenschaft sicher abzuschließen oder endzulagern wird viel Geld kosten. Dazu hatten die vier großen Stromkonzerne RWE, Eon, EnBW und Vattenfall vor zwei Jahren insgesamt 24 Milliarden Euro an einen Staatsfonds überwiesen. Doch dieses Geld wird nach gängiger Expertenmeinung deutlich nicht reichen, die Gesamtkosten einer sicheren Endlagerung abzufangen. Jetzt sollen die 24 Milliarden Euro so angelegt werden, dass sich die Summe wunderbar vermehrt. Ob das Geld dann am Ende reicht? Ungewiss.

Wenn nun mit dem Abriss des Kühlturms das ehemalige Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich weiter „zurückgebaut“ wird, wie es so schön heißt, ist dies ein nächster Schritt für den vollständigen Ausstieg aus der Kernkraft in Deutschland. Bis Ende 2022 soll das letzte Atomkraftwerk dann vom Netz genommen sein.

Anteil der Kernkraft an der Stromerzeugung ersetzen

Die Herausforderung danach: Etwa zwölf Prozent der Stromerzeugung in Deutschland kommt aus der Kernkraft. Und dieser Anteil muss dann ersetzt werden – und zwar nach dem Dreiklang: verlässlich, sicher und bezahlbar. Dies alles auch unter der besonderen Berücksichtigung, dass Deutschland nach dem Ende der Atomkraft bis spätestens 2038 auch aus der Kohle aussteigt.

Doch für die alternativen Energien fehlen unter anderem die Stromautobahnen, die auf der Nordsee oder an den Küsten erzeugten Windstrom bis Süddeutschland transportieren. Gegen diese Stromleitungen wie auch gegen Windräder gibt es viel Widerstand, weswegen von interessierter Seite – auch mit Verweis auf Klimaschutz und Kohlendioxidverbrauch – immer wieder versucht wird, eine Verlängerung der Atomlaufzeiten ins Spiel zu bringen. Doch dieser Atomausstieg soll stehen. Daran will die Bundesregierung nicht rütteln. Denn noch ein Ausstieg vom Ausstieg wäre kaum mehr zu erklären.

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