Kommentar zu fehlenden Grundschullehrern: Den Beruf aufwerten

Kommentar zu fehlenden Grundschullehrern : Den Beruf aufwerten

Um den Beruf attraktiver zu machen, muss mehr Geld in die Hand genommen werden. Es wäre gut angelegt, kommentiert Sandro Schmidt.

Prognosen sind schwer, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Diese alte Weisheit hat nun die Kultusministerkonferenz eingeholt, die sich nach einer Bertelsmann-Studie beim Bedarf an Grundschullehrern heftig verrechnet hat. 26.300 statt der vermuteten 15.300 Pädagogen fehlen demnach im Jahr 2025. Und das Fatale ist, dass man die Lücke bis dahin kaum schließen kann, weil die Ausbildung von Grundschullehrern einschließlich Referendarzeit in der Regel mindestens sechs Jahre dauert. Zudem fehlt es an einer ausreichenden Zahl von Studienplätzen.

Was sind die Ursachen für die Misere? Der Beruf des Grundschullehrers ist unattraktiv geworden. Die Verantwortung im Umgang mit den I–Dötzchen ist hoch, der Respekt der Eltern und der Kinder dagegen schwindet. Die Aufstiegschancen sind begrenzt, Funktionsstellen gemessen am zusätzlichen Arbeitsaufwand unattraktiv vergütet. Ohnehin ist die Besoldung deutlich schlechter als an weiterführenden Schulen, so dass sich Abiturienten, die Lehrer werden, meist gegen die Primarschule entscheiden. Vorbei auch die Zeiten, in denen – meist – Frauen den Beruf zwischen acht und 13.00 Uhr mehr oder weniger als Halbtagsjob ausüben konnten, um sich anschließend ihrer eigenen Familie zu widmen.

Was ist zu tun? Den Beruf attraktiver zu machen heißt, mehr Geld in die Hand zu nehmen: kurzfristig für Seiteneinsteiger, Stundenaufstocker oder die Reaktivierung pensionierter Lehrkräfte; langfristig Perspektiven schaffen für Pädagogen, zum Beispiel durch dauerhaft die Existenz sichernde Festanstellungen.

Das Geld wäre allemal gut angelegt. In den Primarschulen wird die Basis für eine gelingende Integration von Kindern in die Gesellschaft gelegt. Wer hier zu sehr spart, muss sich über die Folgen nicht wundern.

Mehr von GA BONN