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Partei im Umfragetief: CSU will bei Landtagswahl in Bayern ein Desaster vermeiden

Partei im Umfragetief : CSU will bei Landtagswahl in Bayern ein Desaster vermeiden

Wenige Wochen vor der Landtagswahl befindet sich die CSU im Umfragetief. Für die Partei um Ministerpräsident Markus Söder geht es nun darum, einige zur AfD abgewanderte Wähler zurückzugewinnen.

Spott über Berlin kommt anderswo immer gut an. Ob in NRW oder Bayern – der unvollendete Flughafen, die Hilflosigkeit der Polizei in Problembezirken, der Geldmangel der rot-rot-grünen Landesregierung und die langen Koalitionsverhandlungen im Bund bieten eine schöne Reibungsfläche, um von eigenen Problemen abzulenken. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) steht auf der Festzeltbühne und zieht gegen die Hauptstadt vom Leder. Er ist in den 4000-Einwohner-Ort Anger im Berchtesgadener Land gekommen. Eine malerische Gegend, Kühe grasen auf der Alm, die Klänge ihrer Glocken sind die lautesten Geräusche, leuchtende Geranien ranken von Balkonen der prachtvollen Höfe, der Blick in die Berge beruhigt die Nerven. Hier erscheint die Welt in Ordnung. Aber der Schein kann trügen.

Zum Königssee ist es nicht weit, auch nicht zur Grenze nach Österreich, wo vor drei Jahren so viele Flüchtlinge standen, dass die Bayern zeitweise an ihre eigenen Grenzen kamen – der Aufnahmekapazitäten und der Akzeptanz. Die AfD liegt in dieser Region bei 12 Prozent, ein Großteil der Wähler entstamme dem „Fleisch der CSU“, wie es in der Partei heißt. Die CSU will sie zurückhaben, aber sie weiß, dass das bis zur Landtagswahl am 14. Oktober kaum zu schaffen ist. Das wird Jahre dauern. Wenn es überhaupt gelingt.

Unter 40 Prozent wäre ein Tiefschlag

Die Wahl könnte ein Desaster für die Christsozialen werden. Ihre absolute Mehrheit gilt bereits als so gut wie verloren. Jetzt kommt es auf Gesichtswahrung für Söder an, der Horst Seehofer als Ministerpräsident nachgefolgt ist. Alles unter 40 Prozent wäre ein Tiefschlag. Dennoch: Söder wird Ministerpräsident bleiben. Gegen die CSU kann nicht regiert werden. Die spannende Frage ist, wer der Koalitionspartner sein wird und wie die CSU damit klarkommt, wenn sie nicht mehr allein das Sagen hat.

Im Bierzelt sitzen etwa 1500 Menschen, die Frauen im Dirndl, die Männer in Lederhosen. Die Blaskapelle spielt. Regen prasselt auf das Zeltdach. Vielleicht wirkt die Stimmung auch deshalb etwas gedrückt. Der Beifall für Söder ist ordentlich, aber es kommt keine Begeisterung auf. Seine Abgrenzung von Berlin gefällt ihnen aber. Als wäre die CSU nicht Teil der quälend langen Koalitionsverhandlungen und vor allem der Chaostage im Frühsommer gewesen, als Parteichef Seehofer den Asylstreit fast bis zum Bruch der Union und der Regierung anschärfte.

Der 51-Jährige redet so, als wollte er keinesfalls zu den Etablierten und Eliten in Berlin gehören, zu denen ja auch Seehofer als Bundesinnenminister und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt zählen. Und natürlich Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie hat mit ihrer Flüchtlingspolitik polarisiert, die Gesellschaft ein Stück weit gespalten. Das sieht sie selbst so.

Bierzelt als Seismograph

Söder hat sich anders als andere CSU-Politiker für die sprachliche Eskalation des Asylstreits gewissermaßen entschuldigt, indem er ankündigte, das Wort „Asyltourismus“ aus seinem Sprachschatz zu streichen, weil das Menschen verletzt habe. Aber inhaltlich nimmt das Thema weiter breiten Raum ein. Er schildert, dass Bayern für „Integration, Zuwanderung, Asyl“ zwei Milliarden Euro jährlich ausgebe und damit mehr als für Umwelt, Gesundheit und Wirtschaft zusammen. Die CSU erwähnt so etwas auch deshalb immer wieder, weil sie die harten Verbalattacken nicht stehen lassen will, Bayern sei inhuman und die CSU habe das C in ihrem Namen vergessen.

Für CSU-Generalsekretär Markus Blume sind die Bierzelte die „Seismografen der Lebenswirklichkeit“, eine „Nahaufnahme“. In das Bierzelt von Anger ruft er: „Nur wer hier Erfolg hat, kann in Bayern Regierungsverantwortung übernehmen.“ Das Bierzelt ist aber nicht alles. Denn wer hier hinkommt, meint es in der Regel gut mit der CSU. Die Schwierigkeit ist, jene zu erreichen, die nicht mehr kommen. Die Chance dazu besteht etwa beim Haustürwahlkampf, den viele junge Leute für die CSU machen werden. Allerdings birgt das auch ein Risiko. Sie wüssten ja nicht, wer sich hinter der Tür verbirgt, an die sie klopfen, heißt es in ihrem Büro in der CSU-Landesleitung. Vor zwei Fragen der Bürger hätten sie besonders große Bedenken: zur AfD und zu Merkel.