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Corona-Schutzmaßnahme: Bund will Massenproduktion von Schutzmasken ankurbeln

Corona-Schutzmaßnahme : Bundesregierung will Massenproduktion von Schutzmasken ankurbeln

Die Bundesregierung will als Lehre aus der Corona-Krise die Produktion von Schutzmasken im Inland vorantreiben – eine Pflicht zum Tragen des Mundschutzes für alle Bürger kann es aber offensichtlich nicht geben.

Vor der Telefonschalte der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch erklärten mehrere Bundesländer hinsichtlich einer Maskenpflicht, die Menschen könnten nicht zu etwas verpflichtet werden, wenn es ihnen gar nicht möglich sei, das Material dafür zu besorgen.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte am Dienstag in Düsseldorf: „Wir sind jetzt prioritär damit beschäftigt, Masken für den medizinischen Bereich zu beschaffen.“ Ein Sprecher der Regierung Schleswig-Holsteins sagte auf Anfrage: „Solange Masken ein knappes Gut sind, sind prioritär die an der medizinischen Versorgung Beteiligten damit auszustatten. Somit stellt sich die Frage einer allgemeinen Empfehlung für die Bevölkerung nicht.“

Die Thüringer Landesregierung ging auf Distanz zur Entscheidung der Stadt Jena, die Bürger zum Tragen von Mundschutzmasken ab nächste Woche verpflichtet. Wirkungsvollen Schutz biete derzeit vor allem die Einhaltung des Abstandsgebotes und die Reduzierung physischer Kontakte, hieß es. „Masken können diese Maßnahmen bestenfalls ergänzen.“

Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Laschet sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), niemand hätte erwartet, dass ein Produkt, das Cent-Beträge koste, auf dem internationalen Markt so umkämpft sein würde. Die Krise habe gezeigt, dass man bei so sensiblen Produkten von keinem Land der Welt abhängig sein dürfe. Die Abhängigkeit vor allem von einem einzigen Land wie in diesem Fall China dürfe nicht so bleiben.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) teilte in München mit, es gebe schon eine ganze Reihe von Herstellern, die zur Maskenproduktion bereit seien. „Das kann jetzt ganz schnell geschehen, und wir sind dabei, das mit großem Nachdruck umzusetzen.“ Im Gegenzug gebe der Bund nötige Finanzzusagen, „damit Unternehmen jetzt gewissermaßen in das Risiko gehen, ihre Produktion umstellen und Dinge herstellen, die sie vielleicht nicht ewig herstellen werden.“

Spahn betonte, eine Pflicht zum Tragen einer Schutzmaske in der Öffentlichkeit halte er aktuell nicht für nötig. Die „zunehmende Bereitschaft“ in der Bevölkerung, eine solche Maske zu tragen, um damit eine Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, verstehe er als Zeichen der „Solidarität mit anderen“.

Allerdings ist die Wirkung der Masken umstritten. Gegen eine Maskenpflicht wandte sich strikt die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna. „Es wäre fatal, wenn nun auch vermehrt Privatpersonen Schutzmasken aufkaufen würden, die für den Gebrauch in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen gedacht sind“, sagte sie unserer Redaktion. „Es ist nichts dagegen einzuwenden, sich einen einfachen Mund-Nasen-Schutz zu besorgen oder selbst herzustellen. Das kann sinnvoll sein, weil es zusätzlich andere vor einer möglichen Infektion beispielsweise durch Husten oder Niesen schützt.“ Man solle aber nicht der Illusion unterliegen, dass eine einfache, womöglich selbstgemachte Maske ausreichend Schutz vor einer Infektion bietet. Johna: „Das ist nicht der Fall. Das Tragen einer einfachen Maske könnte sogar einen negativen Effekt haben, wenn dadurch die Abstandsregeln nicht mehr eingehalten würden.“

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte unserer Redaktion: „Ich wünsche mir, dass nicht nur unser Personal in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen ausreichend ausgestattet ist, sondern dass geeignete Schutzmasken auch allen Bürgern, die es möchten, bei ihrer Arbeit oder beim Einkaufen zur Verfügung stehen.“