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Kommentar zu Katarina Barley: Charme als Chance

Kommentar zu Katarina Barley : Charme als Chance

Die SPD hat Katharina Barley zur ihrer Spitzenkandidatin für die Europawahl erklärt. Eine Chance für die angeschlagenen Sozialdemokraten, findet Jan Drebes.

Kein Zweifel, Katarina Barley kann sympathisch rüberkommen. Sie wirkt nahbar, lächelt viel, verkörpert die europäische Identität. Die Halbbritin und Juristin beherrscht vier Fremdsprachen, hat zwei Pässe, studierte in Paris und verfasste ihre Doktorarbeit zum Europarecht. Kurzum: Barley passt glaubwürdig in die Rolle der SPD-Spitzenkandidatin für die Europawahl. Auch deswegen wollten die Strategen im Willy-Brandt-Haus die 49-Jährige unbedingt ganz oben auf die Liste setzen.

Die SPD-Botschaften für diese von Barley selbst „als wichtigste Wahl des Jahrzehnts“ hochgejazzte Abstimmung sind leicht zu raten: Die Sozialdemokraten wollen dem um sich greifenden Rechtspopulismus und Nationalismus trotzen, mehr europäische Identität stiften, sie sehen Deutschland als zentralen Bestandteil der Gemeinschaft. Barley tritt dafür ein, sie glaubt daran und könnte so durchaus Chancen haben, den Sozialdemokraten wieder Hoffnung zu geben.

Die Messlatte liegt allerdings mit dem guten Ergebnis von Martin Schulz von 27 Prozent im Jahr 2014 sehr hoch. Und überhaupt muss Barley jetzt erst einmal unter Beweis stellen, dass sie wirklich für den Job in Brüssel brennt.

Bisher war das nicht der Fall, am liebsten wäre sie Justizministerin geblieben. Zudem fehlt der Frau mit der Blitzkarriere in der SPD der Nachweis, dass sie geeignet wäre, bis ins Mark zerstrittene Europäer zusammenzubringen und zu Kompromissen zu bewegen. Barley mag menschlich überzeugen, ihre Liste von Erfolgen nach harten politischen Auseinandersetzungen ist jedoch noch überschaubar.