Hautkrebs und Infektionskrankheiten: Bundesregierung warnt vor Gesundheitsgefahren durch Hitzewellen

Hautkrebs und Infektionskrankheiten : Bundesregierung warnt vor Gesundheitsgefahren durch Hitzewellen

Mit dem Klimawandel wird es mehr Hitzewellen geben. Insbesondere für alte Menschen und Kinder kann das zu lebensbedrohlichen Problemen führen. Kritiker mahnen eine bessere Hitzestrategie an.

Der Klimawandel hinterlässt in Deutschland Spuren. Nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes hat sich die Sonnenscheindauer von 1951 bis 2018 um rund 96 Stunden pro Jahr erhöht. Auf Grundlage von Klimamodellsimulationen ist zudem in den nächsten 20 Jahren mit einer erhöhten Häufigkeit, Intensität und Dauer von Hitzewellen zu rechnen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

In diesem Zusammenhang warnt das Bundesgesundheitsministerium vor erhöhten Gesundheitsrisiken für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Pflegebedürftigen machen die zunehmend heißen Sommer demnach am stärksten zu schaffen. Insbesondere diejenigen, die „alleinstehend sind und am gesellschaftlichen Leben nur eingeschränkt teilnehmen können“, seien gefährdet. Auch Säuglinge und Kleinkinder könnten sensibel reagieren.

Das Ressort führt ferner an, dass die Zahl der Hautkrebsfälle in Deutschland stark angestiegen sei. So gab es laut Robert-Koch-Institut 2016 rund 23 000 Neuerkrankungen mit dem bösartigen schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) – 1999 waren es 11 500. Auch die Zahl der durch Hautkrebs verursachten Sterbefälle ist gestiegen: von 2468 im Jahr 1997 auf 3764 im Jahr 2017.

Jedoch nennt die Bundesregierung nicht nur den Klimawandel, sondern weitere Faktoren als Ursache für den Anstieg der Hautkrebsfälle. So gibt es seit 2008 das weit verbreitete Hautkrebs-Screening, das Effekte auf die Statistik habe. Ebenso ein geändertes Freizeitverhalten: „vermehrte Strandurlaube, die Nutzung von Sonnenstudios und luftigere, knappere Bekleidung“ hätten die Entwicklung ebenso beeinflusst.

Auch von anderer Seite droht Gefahr: Mit der steigenden mittleren Temperatur könnte es künftig auch mehr Infektionskrankheiten geben. Bakterien könnten bei höheren Temperaturen besser wachsen. Auch wenn es bislang keine Erkenntnisse über häufigere Lebensmittelvergiftungen gebe, könnten solche Infektionen ebenso zunehmen wie der Pollenflug – mit Folgen für Allergiker.

Wie die Bundesregierung betont, werde bereits viel für den Gesundheitsschutz in Zeiten des Klimawandels getan. So verweist das Ministerium auf eine „Bund-Länder-Ad-hoc-Arbeitsgruppe“, die 2017 Empfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen erarbeitet habe. Grundsätzlich aber sieht der Bund eher die Länder, Kommunen und Träger bestimmter Einrichtungen wie Pflegeheime in der Pflicht, für Schutzmaßnahmen gegen Hitze zu sorgen.

Harald Weinberg (Linke), Vizevorsitzender im Gesundheitsausschuss, ist nicht überzeugt. „Gegen zunehmende Hitzewellen gibt es verschiedene Aktionspläne.“ Aber deren Auswirkungen auf die Realität gingen gen Null.

Mehr von GA BONN