Streit um erneute Heirat von Katholiken: Bischöfe auf Seite des Papstes - und gegen Kardinal Meisner

Streit um erneute Heirat von Katholiken : Bischöfe auf Seite des Papstes - und gegen Kardinal Meisner

Für die katholische Kirche ist es eine kleine Palastrevolte: Vier Kardinäle, darunter der Deutsche Joachim Meisner, stellen sich offen gegen den Kurs des Papstes.

Die Kardinäle beharren darauf, dass Katholiken nach einer Scheidung und erneuten Heirat nicht mehr zur Kommunion gehen dürfen. Ihr Brief sorgte in den vergangenen Monaten für große Unruhe. Die Deutsche Bischofskonferenz hat lange gebraucht, um sich jetzt klar an die Seite des Papstes zu stellen.

„Auch eine Entscheidung für den Sakramentenempfang gilt es zu respektieren“, schreiben die Bischöfe in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Hirtenwort. Das bedeutet: Es kommt auf den Einzelfall an und auf die Gewissensentscheidung. Ein pauschales Verbot gibt es nicht mehr.

Wer verstehen will, warum die Kirche sich so schwertut im Umgang mit Geschiedenen, muss die Bibel aufschlagen. Aus dem Neuen Testament geht klar hervor: Jesus lehnte das damalige Recht ab, dass ein Mann seine Frau mit einer Scheidungsurkunde entlassen kann und sie damit in eine soziale Notlage bringt und der Schande aussetzt. „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ (Mk 10,9)

Die unaufkündbare Treue gegenüber dem Ehepartner folgt demnach aus der Treue Gottes zum Menschen. Wer diesen Lebensbund bricht und einen neuen eingeht, lebt nach traditioneller Lehre in ständiger Sünde und kann nicht zum Empfang der Eucharistie in einer Messfeier zugelassen werden.

Konservative Bischöfe warnten daher: Eine Freigabe der Sakramente auch für diese Sünder stelle die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe infrage. Doch Franziskus wandte sich in seinem Schreiben „Amoris Laetitia“ im vergangenen Frühjahr gegen eine „kalte Schreibtisch-Moral“. Er warb für eine „barmherzige Liebe“: Niemand dürfe ausgegrenzt und auf Dauer verurteilt werden.

Nach langem Ringen folgen ihm jetzt die deutschen Bischöfe. Zwischenzeitlich schien es nicht ausgeschlossen, dass sie in dieser Frage zu keiner gemeinsamen Linie finden. Doch jetzt ist klar: In Einzelfällen können Gläubige in allen Bistümern auch nach Scheidung und neuer Heirat die Sakramente empfangen. Die Bischöfe erwarten aber, dass ein Seelsorger vor Ort den Prozess der Entscheidungsfindung begleitet.

Wie das konkret aussehen soll, bleibt offen. Wegen des dramatischen Priestermangels haben viele Gemeinden ja ohnehin gar keinen Pfarrer mehr, der im persönlichen Kontakt zu seinen Gläubigen steht. In der Praxis dürfte sich letztlich nicht viel ändern. Denn schon längst gehen vielerorts wiederverheiratete Katholiken zur Kommunion. Viele Seelsorger akzeptieren das; sie haben vor Ort längst den Kurs eingeschlagen, zu dem sich jetzt auch die Bischöfe bekennen.

Einen sehr traditionellen Hinweis können sich die Oberhirten aber nicht verkneifen: den Hinweis auf das, was gerne als „katholische Form der Scheidung“ verspottet wird. Wenn die Kirche eine Ehe für ungültig erklärt, kann ein Katholik ein zweites Mal kirchlich heiraten. Probleme mit dem Sakramentenempfang gibt es dann nicht. Ausdrücklich ermutigen die Bischöfe daher „alle, die begründete Zweifel daran haben, dass ihre Ehe gültig zustande gekommen ist, den Dienst der kirchlichen Ehegerichte in Anspruch zu nehmen, damit ihnen ggf. eine neue kirchliche Heirat ermöglicht wird“. (dpa)

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