Kommentar zu Unterbringung von Flüchtlingen in Bonn: Banale Lösungen

Kommentar zu Unterbringung von Flüchtlingen in Bonn : Banale Lösungen

Chaos, wohin man blickt. Zustrom und Unterbringung von Flüchtlingen überfordern die EU, Deutschland und die Menschen vor Ort.

Während sich Politiker in Brüssel, Berlin und Düsseldorf gegenseitig die Schuld zuschreiben und kaum Lösungen anbieten, reagieren in den Städten und Kommunen die Bürger mit Fassungslosigkeit, Entsetzen oder gar Wut auf das Versagen der Volksvertreter.

In Bonn liegen jetzt nach der plötzlichen Ankündigung von Oberbürgermeister Ashok Sridharan, bis zu 21 Sporthallen mit Flüchtlingen zu belegen, bei vielen Sportlern und Funktionären, Schülern und Lehrern die Nerven blank. Der Verwaltungschef hat zwar offen die Konsequenzen aufgezählt, droht damit aber schon an seiner ersten außerplanmäßigen Bewährungsprobe zu scheitern, weil er die städtischen Lasten des bundesweiten Flüchtlingsproblems einseitig verteilt. Er bürdet sie vor allem dem Schul- und Vereinssport auf – oder lässt zumindest zu, dass es so geschieht. Selbst das Argument, dass Sportstätten die günstigste Variante darstellen, zieht kaum, wenn ein Flüchtling in der Halle bis zu 1800 Euro pro Monat kostet.

Damit gehen Verwaltung (und Politik!) den bequemsten Weg und im Hinblick auf die vielen Veranstaltungshallen den des vermeintlich geringsten Widerstandes. Dass auch Bonn angesichts des landesweiten humanitären Notstands seine Hausaufgaben machen muss, steht außer Zweifel. Seit mindestens vier Monaten weiß die Verwaltung aber, was auf sie zukommt. Nun, nachdem es ernst wird, verkündet das Rathaus das Ergebnis seiner Vorbereitungen: die Schließung von Sporthallen im Wochentakt. Da bleiben viele Fragen und ein Glaubwürdigkeitsverlust, der noch verstärkt wird, wenn zwischen Bezirksregierung und Rathaus noch nicht einmal geklärt ist, welche „Quote an Flüchtlingen“ für die Bundesstadt jetzt eigentlich gilt.

Der Appell des Beigeordneten Martin Schumacher, wonach in Bonn nun alle „mehr zusammenrücken“ müssten, fühlt sich bei der tatsächlichen Verteilung der Lasten jedenfalls wie eine Beschönigungsformel an. Wieder einmal hat es den Sport erwischt, wo Teamgeist schließlich nicht erst trainiert werden muss. Ob der bei den Vereinen so weit reicht, wort- und klaglos die eigene Daseins-Auflösung hinzunehmen?

Kurz vor Weihnachten war es, als die Verwaltung verkündete, Holzhäuser für 800 Flüchtlinge bauen zu wollen. Kosten: 23 Millionen Euro. Zu teuer? Was sind Alternativen? Vielleicht Container oder Zelte? Die zuständige Bonner Kommunalpolitik ist früh in den Weihnachts-Winter-Karnevals-Modus abgetaucht, wird erst wieder Ende Februar zur nächsten Ratssitzung zusammenkommen. Sondersitzung? Fehlanzeige! Große Aktivitäten dürften erst dann erfolgen, wenn die Stadtgesellschaft auf die Straße geht und sich die Einfallslosigkeit im Rathaus nicht mehr gefallen lässt.

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