Kommentar zum Arzttermin-Gesetz: Ärztemangel bleibt

Kommentar zum Arzttermin-Gesetz : Ärztemangel bleibt

Das neue Gesetz im Gesundheitssystem ist dringend notwendig. Wunder darf man aber davon nicht erwarten: Es ändert nichts daran, dass bundesweit Tausende Ärzte fehlen, kommentiert GA-Redakteurin Ulla Thiede.

Monatelange Wartezeiten für einen Facharzttermin sind nicht akzeptabel, denn sie bedeuten für die Patienten, die Abhilfe für ein Leiden suchen, auch Monate der Sorge, wenn nicht gar Schmerzen. Schlimmstenfalls verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand des Betroffenen sogar noch. Das kann nicht nur lebensbedrohliche Konsequenzen haben, sondern schmälert in jedem Fall die Lebensqualität des Patienten und hat letztlich auch wirtschaftliche Folgen: Ein kranker Arbeitnehmer ist nicht so leistungsfähig.

Dass die große Koalition nun den Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn umsetzt und mit einem ganzen Maßnahmenpaket diese Schwachstelle des Gesundheitssystems zu beheben versucht, ist dringend notwendig. Dafür den Ärzten mehrere Hundert Millionen Euro jährlich zusätzlich an Honorar zur Verfügung zu stellen, zeigt die Dimension des Vorhabens. Dieses Geld wird gut angelegt sein, wenn es die Terminvergabe ab kommendem Jahr tatsächlich beschleunigt. Zumal eine frühere Versorgung wiederum teure gesundheitliche Langzeitfolgen verhindern kann, was sich wiederum in geringeren Behandlungskosten niederschlagen kann.

Nun wird es Aufgabe der Krankenkassen und der kassenärztlichen Vereinigungen sein, die Öffnungszeiten der Arztpraxen zu kontrollieren und die Versicherten aufzuklären, was der Unterschied zwischen dem ärztlichen Notdienst und der Notfallambulanz im Krankenhaus ist, damit diese nicht weiter von Patienten aufgesucht werden, die sich nur aus Bequemlichkeit oder Unwissen dort Hilfe holen. Wunder darf man aber vom Gesetz nicht erwarten: Es ändert nichts daran, dass bundesweit Tausende Ärzte fehlen.

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