Kommentar zur Umfrage des Beamtenbundes

Nicht krisenfest

Symbolfoto

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Berlin. Wenn 61 Prozent der Bürger den Staat für überfordert halten, ist das Grundvertrauen in die staatliche Ordnung offenbar massiv gestört. Außerdem wird Belästigung zum Problem, kommentiert Gregor Mayntz.

Die sommerliche Bürgerbefragung für den Beamtenbund liefert in der Regel Belege für die Arbeit des Auftraggebers. Das Image der Staatsdiener ist besser. Die Beliebtheit einzelner Berufe ist gestiegen. Lieber Staat als Markt. Belästigung wird zum Problem. Aus dem Rahmen des mehr oder minder Erwartbaren fallen die Befunde der jüngsten Umfrage eindeutig heraus: Wenn 61 Prozent den Staat für überfordert halten, ist das Grundvertrauen in die staatliche Ordnung offenbar massiv gestört.

Wäre wenigstens das Zutrauen in das Funktionieren der Gesellschaft jenseits staatlicher Bürokratie weit im positiven Bereich, könnte man über das Schwächeln für einen Augenblick hinwegschauen und mit Nachdruck weitere Demoskopen darum bitten, diesen möglichen Trend verschärft zu beobachten. Doch auch das friedliche Zusammenleben und der menschliche Umgang sind offenkundig in einer schwerwiegenden Krise: Sonst würden nicht 83 Prozent der Bundesbürger eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft empfinden.

Die Schieflage wird in den Zahlen des Meinungsforschungsinstitutes Forsa zusätzlich verdeutlicht, indem es zwischen Ost und West, Mann und Frau keinerlei gravierende Unterschiede in der Wahrnehmung von rücksichtslosem, ja brutalem Vorgehen untereinander gibt. Umso wichtiger wäre das Vertrauen in die Aufgabenerfüllung des Staates.

Der übliche Verweis auf die Bundespolitik wäre zu bequem und nicht zielführend. Denn auf die Frage, wo denn der Staat ersichtlich überfordert ist, fällt den Menschen zuerst das auf, was in der Hoheit der Bundesländer liegt. Die Aufstellung des Staates scheint also alles andere als optimal zu sein. Jedenfalls ist der Föderalismus offenbar nicht krisenfest.