Schulen in NRW: 27 Prozent der Grundschullehrer haben keinen PC-Zugang

Schulen in NRW : 27 Prozent der Grundschullehrer haben keinen PC-Zugang

Sind die Schulen wirklich so schlecht auf die digitale Zukunft vorbereitet, wie der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, meint? Ja, sagt Ekkehard Winter, Geschäftsführer der in Bonn ansässigen Deutschen Telekom Stiftung, einer der größten deutschen Bildungsstiftungen. Nein, sagen hingegen Vertreter von Schulen.

Christel Feldmann-Kahl zum Beispiel, die stellvertretende Schulleiterin des Gymnasiums Alleestraße in Siegburg, hält ihre Schule für sehr gut aufgestellt. Es seien ausreichend Laptops, Beamer, Whiteboards und Smartboards vorhanden. In Kürze soll auch ein neuer Differenzierungskurs zum Thema "Fernerkundung" eingeführt werden, in dem die Kinder lernen, wie Satelliten funktionieren oder wie man Navigationssysteme programmiert. "Der richtige Umgang mit Informationstechnik ist eine wichtige Basis für das Leben nach der Schule", meint Feldmann-Kahl.

Auch Susanne Schleebaum, Schulleiterin der Gemeinschaftshauptschule in Sankt Augustin-Niederpleis, betont, dass ihre Schüler ab der fünften Klasse Unterricht in den PC-Räumen erhalten. "Das Internet ist unser täglicher Begleiter", so Schleebaum. Als Leiterin einer Inklusionsschule schätzt sie besonders die Möglichkeit, Schüler individuell zu fördern: "Am Computer kann der Unterricht auf verschiedenen Ebenen laufen." Die Berufskollegs im Rhein-Sieg-Kreis seien dem Stand der Technik in der Regel zwei Schritte voraus, erklärt Kreis-Pressesprecherin Rita Lorenz.

Aber reicht all das aus? "Es ist doch nicht damit getan, festinstallierte Computer aufzustellen", sagt Telekom-Stiftungs-Geschäftsführer Winter, "wichtig wäre, wenn jeder Schüler seinen eigenen Tablet-PC hätte." Dazu bräuchte man aber auch starke WLan-Netze, doch die gebe es in vielen Schulen nicht. In Köln zum Beispiel waren Ende vorigen Jahres nur 20 Schulen mit WLan versorgt. Für dieses Jahr ist geplant, 40 weitere Schulen anzuschließen, wie die Stadt im November angekündigt hatte.

Das größte Problem aber ist nach Meinung von Stiftungs-Geschäftsführer Winter, dass das digitale Lernen in der Lehrerausbildung an den Universitäten nur am Rande behandelt werde. Weil auch die Fortbildung in diesem Bereich viel zu kurz komme, seien zahlreiche Lehrer zu zurückhaltend beim Einsatz der neuen Medien. In den Grundschulen passiere "nahezu nichts", und auch die Lehrer in den weiterführenden Schulen seien nicht genügend geschult. Jetzt sei ein "wirklicher Aufbruch" nötig, meint Winter. Wenn die Schulen und die Politik die Herausforderung digitaler Wandel mit der gleichen Energie angehen würden wie die Inklusion, also den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung, dann sei man auf dem richtigen Weg.

Derzeit aber fehle es in dieser Hinsicht an Engagement. So sind im Bildungsbericht der Bundesregierung von 2014 zwar fünf "zentrale Herausforderungen" genannt worden - darunter die frühkindliche Bildung, die Gestaltung der Ganztagsschule und der Übergang von der allgemeinbildenden Schule in die Berufsausbildung -, aber es ist dort nichts zur digitalen Entwicklung in den Schulen zu lesen.

Leidtragende sind aus Sicht der Stiftung die deutschen Schüler, die im Vergleich zu Altersgenossen in anderen Ländern über geringere Kompetenzen verfügten. So wurde in der im November veröffentlichten internationalen Bildungsstudie ICILS deutlich, dass die Ausstattung der deutschen Schulen im internationalen Schnitt liege, die neuen Medien im Unterricht aber zu selten genutzt würden.

Das wiederum hängt aus Sicht der Bundesregierung damit zusammen, dass die Pädagogen zu wenig fachkundig sind. "Ein Schlüssel für den Erfolg wird es sein, die Lehrerinnen und Lehrer für Computer- und Informationstechnologien zu gewinnen", sagte Bildungsstaatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen bei der Vorstellung der Studie und stellte mit Blick auf die nächsten zehn Jahre bis zu 500 Millionen Euro für die Qualitätsoffensive Lehrerbildung der Länder in Aussicht.

Und wie sieht es ein Schulträger? "Wir haben ziemlich viele Lehrer, die fit sind und die Schüler fit machen", sagt Stefan Koch, Leiter der Schulabteilung des Erzbistums Köln, mit Blick auf die Digitalisierung. Außerdem habe jede der 32 erzbischöflichen Schulen ein Fortbildungskonzept. Fast alle seien mit Smartboards ausgestattet, an ausgewählten Schulen gebe es iPad-Klassen. "Wir testen derzeit. Was gut ist, bauen wir mit Augenmaß weiter aus", sagt Koch.

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