Kommentar zur Kirche: Der Krise begegnen

Kommentar zur Kirche : Der Krise begegnen

Die Erkenntnisse über jahrzehntelangen Missbrauch durch Priester und Würdenträger haben die katholische Kirche tief erschüttert. Es ist richtig, dass die katholische Kirche einen Reformdialog führen will, kommentiert Bernd Eyermann.

Wenn nicht alles täuscht, dann droht der Deutschen Bischofskonferenz schon bald eine Zerreißprobe. Jenen Kräften, die den Erneuerungsprozess in der katholischen Kirche vorantreiben wollen, stehen offenbar jene entgegen, die lieber alles so lassen wollen, wie es derzeit ist. Und jede Seite fühlt sich auch noch durch den Brief des Papstes von voriger Woche in ihrer Haltung ermutigt. Es ist richtig, dass sich die katholische Kirche auf den Weg macht und einen Reformdialog führen will. Und es ist richtig, dass die Laien und mithin breite gesellschaftliche Schichten von Anfang an mitmachen. Denn die Kirche steckt in der tiefsten Vertrauenskrise seit Jahrzehnten.

Das hat vor allem mit dem unglaublichen Skandal zu tun, dass Tausende vor allem junge Menschen von Priestern und Ordensleuten missbraucht wurden. Aber auch ein Finanzskandal wie der um den früheren Limburger Bischof oder der Verlust der kirchlichen Heimat, den viele Gläubige im Zuge der Zusammenlegung von Gemeinden beklagen, wirkt sich negativ auf das Bild der Kirche aus. Viele, die sich früher in Pfarrgemeinden oder Verbänden engagierten, haben sich zunehmend von ihrer Kirche entfremdet. Der synodale Weg kann dabei entgegenwirken. Richtig ist auch, dass sich Bischöfe und Laien mit der Frage von Ämtern und Diensten der Frauen in der Kirche beschäftigen wollen.

Natürlich wird man auf dem „synodalen Weg“ die Weltkirche nicht auf den Kopf stellen, aber vielleicht kann die deutsche Kirche in manchen Dingen ja zu einer Art Vorreiter für die Weltkirche werden, gerade im Blick auf die Rechte der Frauen. Auch wenn das manchen Männern in der Kirche nicht gefallen sollte.