Kommentar zu den deutsch-türkischen Beziehungen: Cool bleiben

Kommentar zu den deutsch-türkischen Beziehungen : Cool bleiben

Präsident Recep Tayyep Erdogan will den Deutschen und den eigenen Bürgern zeigen, wie weit sein Arm reicht. Deutsche Politiker sollten seine Einschüchterungsversuch streng zurückweisen, aber nicht mit gleiche Lautstärke beantworten.

Die täglich neuen Schimpftiraden des türkischen Präsidenten Erdogan gegen Deutschland heizen den Streit zwischen beiden Ländern kräftig an. Erdogan mischt sich offen in den deutschen Wahlkampf ein. Ein erfahrener Politiker wie der türkische Staatschef weiß, dass dies wenige Wochen vor der Bundestagswahl einen Sturm der Entrüstung auslösen muss – ebenso wie die Inhaftierung des deutschen Autors Dogan Akhanli auf Wunsch Ankaras in Spanien. Erdogan will den Deutschen und den eigenen Bürgern zeigen, wie weit sein Arm reicht.

Deutsche Spitzenpolitiker sollten Erdogans Einschüchterungsversuche streng zurückweisen, aber nicht mit gleicher Lautstärke beantworten. Deutschland sitzt gegenüber der Türkei am längeren Hebel. Für die türkische Wirtschaft ist das Vertrauen ausländischer Investoren ein sehr kostbares Gut – das ist auch der Grund dafür, dass Ankara die schwarze Liste deutscher Unternehmen mit angeblichen Terrorverbindungen vor einigen Wochen rasch zum Missverständnis erklärte und in den Schubladen verschwinden ließ.

Ein grundsätzliches Zerwürfnis mit der Türkei liegt nicht im Interesse Deutschlands, eines Landes mit drei Millionen türkischen oder türkischstämmigen Menschen. Der Streit mit Erdogan sollte selbst in Zeiten des Wahlkampfes mit Augenmaß geführt werden. Dazu gehört etwa, dass Deutschland darauf verzichtet, in Brüssel den Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu fordern. Dazu gehört auch, dass die Bundesregierung weiter das sachliche Gespräch mit der türkischen Regierung sucht – und dabei alle eventuellen Erpressungsversuche zurückweist.

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