Einsatz in Koulikoro: Bundeswehr schlägt in Mali ihre Zelte auf

Einsatz in Koulikoro : Bundeswehr schlägt in Mali ihre Zelte auf

Der Krieg ist weit weg in der Kaserne von Koulikoro. In der Luft liegt der Geruch frischer Farbe. Von den Malern stehen noch zwei Eimer in der Ecke. Der Boden wird von einer Plastikplane bedeckt, mit Flecken in hellem Grün und zartem Gelb.

Nicht unbedingt die Farben, die man von der Bundeswehr kennt. Das liegt am Einsatzort: Koulikoro ist eine kleine Stadt direkt am Niger, in Mali, 5000 Kilometer entfernt von Berlin, Außentemperatur 44 Grad. Oder, wie Verteidigungsminister Thomas de Maizière sagt: "Mitten in Afrika."

Hier, im jüngsten Krisenstaat des schwarzen Kontinents, beginnt die Bundeswehr an diesem Wochenende mit ihrem neuesten Auslandseinsatz, als Teil der europäischen Ausbildungshilfe für Malis kümmerliche Armee. Die beiden Mali-Mandate des Bundestages erlauben bis zu 330 deutsche Soldaten.

Größten Wert legt die Bundesregierung darauf, dass aus dem Mali-Einsatz keinesfalls ein Kampfeinsatz werden darf. Natürlich will auch Deutschland dabei helfen, dass das ehemalige Französisch-Sudan nicht zum Rückzugsort für islamistische Terroristen wird. Aber mit dem Krieg im Norden, wo die alte Kolonialmacht seit Januar gegen Dschihadisten kämpft, will man so wenig zu tun haben wie irgend möglich.

So ist der Beginn des Einsatzes dann auch einigermaßen unspektakulär. Letztlich besteht er darin, dass 40 Soldaten vom Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst "Ostfriesland" aus Leer ihre Zelte aufschlagen. Im Gepäck haben sie 70 Tonnen Material: von Kopfschmerztabletten über Stromaggregate bis zum Feldlazarett. Nächste Woche kommen dann 40 deutsche Ausbilder hinzu. Für sie wird die arg heruntergekommene Kaserne noch schnell renoviert.

In Koulikoro, anderthalb Autostunden entfernt von der Hauptstadt Bamako, ist seit Beginn der 1980er Jahre die Militärschule des westafrikanischen Landes zu Hause. Jetzt hat dort auch die neue Ausbildungsmission der Europäischen Union (EUTM) ihren Sitz. Bis Juli 2014 sollen hier für die malische Armee vier neue Bataillone mit insgesamt 2600 Soldaten herangezogen werden.

Zuständig dafür sind 550 Europäer aus praktisch allen Ländern der EU. Die Deutschen übernehmen die Ausbildung von Pionieren. Erklärtes Ziel der EU ist es, Malis Armee in die Lage zu versetzen, "allein für die Sicherheit im eigenen Land zu sorgen", wie dies der deutsche Verteidigungsminister formuliert. Einfach wird das nicht. Aktuell besteht die Armee aus 2500 bis 7000 Mann, so genau weiß das keiner.

Zuverlässige Aufstellungen über Personal oder Ausrüstung fehlen. Ein europäischer Experte meint: "Das sind eher verschiedene Gruppen von Soldaten, aber keine richtige Armee." In Koulikoro bekommt man einen Eindruck von den Zuständen. Das Gelände ist praktisch überhaupt nicht geschützt.

Das Tor steht weit offen, die einzige Abgrenzung, eine steinerne Mauer, reicht bis zur Schulter. Draußen auf der Straße zieht der Verkehr vorbei: Autos, Motorräder, Eselkarren. Gleich dahinter liegt der Niger, wo die Boote aus Timbuktu oder Gao ankommen - zwei Orte, die vor den Aufständischen keineswegs sicher sind. Mehrere europäische Geheimdienste haben deshalb davor gewarnt, dass die EU-Mission leicht zum Ziel von Selbstmord-Anschlägen werden könnte, entweder durch Angriffe von außen oder durch sogenannte Innentäter: Islamisten, die sich für die Regierungstruppen rekrutieren lassen und dann irgendwann zuschlagen.

"Die Gefahrenlage besteht", sagt auch Oberstleutnant Dieter Janz. Er ist als offizieller deutscher Militärberater schon seit Jahren im Land, nur mit einigen Monaten Unterbrechung nach dem Militärputsch im März 2012. Jetzt ist der 55-Jährige Teil des Vorauskommandos. Janz vertraut darauf, dass die Bundeswehr in Mali einen guten Ruf hat. Hier wisse jeder, dass Deutschland 1960 als erster Staat die Unabhängigkeit des Landes anerkannt habe. Und man leiste auch schon länger militärische Ausbildungshilfe als die anderen.

Ein Beispiel dafür ist der Kommandant der Kaserne von Koulikoro, Nouhum Traoré. Er wurde an der Bundeswehr-Hochschule in Hamburg zum "Zugführerkompaniechef" ausgebildet. Das Wort kommt ihm auch heute noch beeindruckend gut von den Lippen. "Ich bin ein deutsches Produkt", sagt Traoré voller Stolz. Und: "Deutschland hat eine moderne Armee. Wir können viel von Deutschland lernen." dpa

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